Wohl aber können wir einen Wahrscheinlichkeitsbeweis führen, dass Homer für Grün und sogar für die verschiedenen Abstufungen dieser Farbe eine Empfindung gehabt und sie auch dichterisch verwertet hat, ohne das Wort„grün“ zu nennen. Wir finden die hierher gehörige Stelle bei der Beschreibung der Insel Ogygia, auf der Odysseus von der Kalypso zurück- gehalten wird. Dort tinden wir die Höhle von einem Wald umgeben, der aus Erlen, Pappeln und wohlriechenden Cxpressen besteht.*, 64, 2419 ᷣ dανeναιοις εᷣ z 20 ¶m⁊– ˙³ἀει⁶ο⁸ς. Was will der Dichter mit der Anführung dieser drei Baumarten? Soll die äussere Form, die verschiedenartige Gestalt der Krone u. s. W. eine dichterische Wirkung hervorrufen? Von der Cypresse liesse sich das vermuten. Von der Erle und Silberpappel aber sagt Veckenstedt (a. a. 0. S. 144) ganz richtig, dass diese um ihrer Porm willen noch von keinem Dichter besonders gepriesen worden seien. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als an das verschiedenartige Grün zu denken, an den hellen Glanz der Silberpappel, das dunkele Grün der Erle und die schwarzgrüne Farbe der Cypresse.
Eines vielumstrittenen Wortes möchte ich hier gedenken, nämlich des Adjektivums mooyis, das als Beiwort der Nachtigall in 1. 518 vorkommt. Eine ähnliche Bezeichnung, àn„ dονε̈ υμιωασα ενεε findet sich bei Simonides fr. 73. Eine Farbenbezeichnung im Sinne von „1Gοε kann mit diesem Wort unmöglich gemeint sein, trotz alledem, was Veckenstedt(a. a. O. S. 134 f.) sagt:„Da die Nachtigall, lusciola luscinia, oben rötlich graubraun, der Sprosser, lusiola philomela, oben düster olivenbraun ist, so kann nur der rötliche Schimmer der Farbe der Nachtigall unter Hervorhebung des darin befindlichen Gelb, oder das Olivenfarbene des Sprossers, also Fahlgelb mit leichter Neigung zu Grün, den Anlass zu dieser griechischen Bezeichnung gegeben haben, welche dann aber auch als eine vollständig angemessene erscheint“. Der Ansicht bin ich keineswegs. Ich habe eine ganze Reihe von Nachtigallen genau betrachtet, konnte aber eine Färbung, die der Beziehung 7ος entspricht, mit dem besten Willen nicht entdecken.— Anderseits ist r. 518 nach dem ganzen Zusammenhang an keinen anderen Vogel als an die Nachtigall zu denken, die im frischen Frühlingsgrün, das ein helles Grün ist, ihren wechselvollen Gesang erschallen lässt. Es scheint mir die alte Erklärung von οοννα„im Prühlingsgrün wohnend“, die einzig mögliche und gerade für die Nachtigall besonders passende zu sein. Denn keiner unserer und auch der grichischen Singvögel pflegt so tief im Gebüsch versteckt seine Lieder ertönen zu lassen. So sagt schon Sophokles Oed. Col. 670 ff. 5 ν α Iiyei ẽdoeru ϑᷣuoudα ν⁹ν.νσν¶mνηιααςσ εσ‿νο‿ꝙ⁵⁴‿⁴οσσν. Dementsprechend übersetze ich de„ υεέι ουοααννένe mit„Nachtigallen, die im frischen Grün ihre Lieder singen“.
Blau.
Das homerische z2uceνεος wird jetzt allgemein mit schwarzblau erklärt. Dieses Adjek- tivum kommt von zuαvνog, unter dem man entweder Blaustahl versteht, oder mit Helbig ¹) den Lasurstein(lapis lazuli, wie Plato Phaed. 113 B), oder einen ihn nachahmenden blauen Glas- fluss. In der klassischen Prosa heisst zud'eos ohne Zweifel blau. Marty(a. a. O. S. 83) bringt eine Menge Beweisstellen bei. Erwähnen möchte ich nur die Glosse bei Hesych, der z νανοον mit§0G 7⁴μμσασοο νοασνοοε⁶ες erklärt.— Bei Homer kann es nicht einfach mit blau übersetzt werden, wir müssen vielmehr an dunkelblau denken, da z. B. ℳ 24 und 35 der zuúπνσς das Attribut α bekommt. Wenn die Augenbrauen des Zeus und der Hera— 4, 528, 0, 102,
1) Das hom. Epos aus den Denkmälern erläutert S. 100 ff., 320. 382 ff.


