Aufsatz 
Über die angebliche Farbenblindheit Homers / von Karl Euler
Entstehung
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Breusing J. J. 131 S. 81 ff. denkt ähnlich wie Marty an den Blutverlust als Ur- sache des Todes.

Felix Hartmann J. J. 131 S. 456 f. erklärtder zuckende Tod, ein der ho- merischen Sprache durchaus geläufiges Bild, wenn auch der Tod sonst nicht so genannt wird. Das ist freilich richtig, aber rοό heisst doch nicht zucken, und darum erscheint der zuckende Tod ebenso wenig annehmbar wie desselben Verfasserszuckender Regenbogen.

Die annehmbarste Erklärung wäre die von La Roche, wenn nur sonst bei Homer oο⁵νοες schwarz, dunkel hiesse. Ich möchte eine andere Erklärung vorschlagen.

Wörtlich heissen die in Betracht kommenden Worteund seine beiden Augen er- griff der-roοοoς ϑνᷣαν und die machtvolle Moira. Der 10οοέοοο Ʒϑ υαμσos hat also eine Wirkung auf die Augen ausgeübt. Nehmen wir die ursprüngliche Bedeutung von GGœò ˙οεοε wallend an, so würden wir die Epersetzung bekommen,der wallende Tod ergriff die Augen, etwa in dem Sinn, dass es dem Menschen vor den Augen wogte, dass ihm die Dinge verschwammen. Ein solcher Vorgang ereignet sich beim Eintritt einer Ohnmacht, ¹) und dementsprechend kann man wohl schliessen, dass ebendasselbe beim Nahen des Todes eintritt. Doch es ist noch eine andere Deutung des Wortes möglich, die keinen inneren Vorgang, wie das Verschwimmen der Aussenwelt, sondern eine äussere Erscheinung zur Er- läuterung heranzieht. Setzen wir nämlich die zweite Bedeutung von σ⁶⁶εε Schillernd, schimmernd ein, so heisst die Stelleder schimmernde Tod ergriff die beiden Augen und wir würden an das so überaus bezeichnende Schimmern und Glasigwerden des im Tode brechenden Auges denken können. Diese Erklärung erscheint vielleicht auf den ersten Blick seltsam, aber 1ισνεο ϑαᷣos ist ja auch eine in der griechischen Sprache seltene Be- zeichnung und findet sich in der gesamten griechischen Litteratur nicht weiter vor und hat eben wegen ihrer Seltsamkeit kein Bürgerrecht sich erwerben können. Uns friedlichen Menschen erscheint der Ausdruck gewiss noch befremdlicher, weil wir ja kaum einmal in die Lage kommen, ein im Tode gebrochenes Auge zu sehen, während es den Griechen vor Troja keine allzu seltene Erscheinung war.

Das Resultat der Untersuchung über die Bedeutung des Beiwortes 7r00οεαο ist also, dass es bei Homer keine Farbe bezeichnet, sondern noch in der ursprünglichen Bedeutung wallend und abgeleitetschimmernd vorkommt. In der späteren Zeit ist 71G⁶⁶ besonders von dem Wallen der Purpurfarbe gebraucht worden, das keine einfache Farbe ist, sondern von oben angesechen ins Schwarze fällt und von der Seite angesehen das auffallende Licht zurückstrahlt.²) Doch eine Untersuchung hierüber, wie der Begriff 1rom⁵οεοες lat. pur- pureus, sich entwickelt hat, würde uns an dieser Stelle zu weit abführen. Dass die lateinische Form dieses Wortes neben purpurn auch noch glänzend heisst, zeigt unzweifelhaft die bekannte Stelle bei Horaz, carm. IV, 1, 10 purpureis ales oloribus, wo doch nur von glänzenden Schwänen die Rede sein kann, und wo die Farbenbezeichnung purpurn ganz ausgeschlossen ist,*) ebenso wie bei Albinovanus, Eleg. in obit. Maec. II, 62 ¹) brachia purpurea, candidiora

nive. Doch darüber an einem anderen Ort.

1) Apoll. Rhod. gebraucht in seinem Epos Argonautica, in dem er bewusst Homer nachahmt, den Ausdruck oogpuοsos von dem zdοα Schwindel, das, wie Veckenstedt bemerkt, der Scholiast mit eταονς erklärt.

2) S. Delitzsch, Iris S. 48.

3) Die Ansicht von Veckenstedt a. a. 0. S. 90 f. ist gekünstelt und unhaltbar.

4) S. Marty, S. 77.