Aufsatz 
Über die angebliche Farbenblindheit Homers / von Karl Euler
Entstehung
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Stellen anzuführen, wäre auch zwecklos, da über die Thatsache, dass Homer das Schwarze, Dunkle als solches gesehen hat, füglich kein Zweifel bestehen kann.

Grau wird, wie allgemein feststeht, durch 1 ⁶ς6 bezeichnet. Das schäumende Meer dunkel, mit hellem Schaum gemischt wird so genannt d, 580: rdν α νeπroν εοεᷣναiςsie schlugen

das Meer mit den Rudern, dass es schäumte; vergl., 172 1elν ασικο 6Gο; weiterhin bekommt die graumelierte Haarfarbe dieses Beiwort(Vergl. unserkKümmel und Salz), ebenso dann wegen der grauen Haare die älteren Personen, und schliesslich das Eisen. Sehr schön er- läutert die Bedeutung von ⸗o⁴νν³⁶ς Jordan in seiner Übersetzung der Odyssee S. 506, 5:ro4ες bedeutet zunächst das Aussehen des noch nicht ganz weissen, Sondern erst ergrauten, d. h. zur Hälfte noch dunklen, zur Hälfte weissen Haares. Ungefähr wie solches Haar, wenn es aus einiger Ferne gesehen wird, wo die schwarzen und weissen zum Grau zusammenfliessen, sieht das Eisen aus. Die Ubertragung auf das Meer hingegen geht aus von der Vorstellung des ganz nahe und genau gesehenen Mischhaares. Es heisst odwn nur, wo es vorgestellt wird als auf seiner dunklen Gesamtfläche, ähnlich von Schaumlinien durchzogen wie das schwarze von weissen Haaren.

Wir kommen jetzt zu den Farben des Spektrums und beginnen mit der beliebtesten Farbe, mit

Rot.

Die vielen Bezeichnungen für Rot beweisen, dass Homer viele Nuancen dieser Farben unterschieden hat. Fordος, das von Wein, Nektar und Kupfer¹) gebraucht wird, findet sich seiner Wurzel nach in allen indogermanischen Sprachen mit Ausnahme des Zend.²) Die ur- sprüngliche Bedeutung blutig, die skrt. rudhira hat, lebte zu homerischer Zeit nicht mehr im Bewusstsein der Hellenen. Blutigrot bezeichnet Homer mit den Adjektiven aε‿ιααατοειε, Sotvtos 61 97 und †Hιαε II. 159, deren Herkunft noch gefühlt wurde; und das machte die Schilderung anschaulicher, sinnlicher. Das ebenfalls hierhergehörige dαmαχν ονα wird vom Schakal, von einer Schlange und dem blutigen Kleid der Keren gebraucht. Wenn die Löwenhaut dαmισάυοσ εe- nannt wird, so ist das dieselbe übertriebende Ungenauigkeit, wie wenn wir von Rotwild sprechen.

Dieselbe Freiheit nimmt sich der Dichter, wenn er ein Pferd, einen Rotfuchs, oννε nennt. Dieses Wort bezeichnet einen Farbstoff. Er wurde, wie Delitzsch gefunden hat, ³) von einem Insekt gewonnen, das eine Eichenart anbohrte und sich da ansaugte.Man hielt es für eine Beere(zzνν) des Baumes selber und nannte es deshalb coccum; die Eiche, an der es sich befindet, heisst davon quercus coccifera. Das von νι ι˙) abgeleitete Adj. ον⁶ενει ist gleich unserem Scharlachrot und wird von einem roten Helmbusch, einem Leibgurt, von

1) nicht vom Blut, wie La Roche a. a. 0. S. 16 sagt.

2) S. den Aufsatz von 0. Weise, Die Farbenbezeichnungen der Indogermanen, in Bezzenbergers Bei- trägen II. Bd. 1878, S. 283 ff.

3) Siehe Veckenstedt a. a. O. S. 86.

4) Helbig, Das homerische Epos aus den Denkmälern erläutert, 2. Aufl. 1887, S. 161 Anm. 3, bemerkt zu dem Anstrich der Schiffe folgendes:Die Schiffe hatten einen im ganzen schwarzen Anstrich, der vermutlich aus flüssigem Pech bestand, daher die Epitheta deᷣaben und zuαẽoνπρροο. Dagegen waren die Seiten des Vorderteils rot angestrichen. Dieser Gebrauch wurde vielleicht dadurch veranlasst, dass es bei der gleichen Form der beiden Schiffsenden zweckmässig schien, eines derselben durch eine besondere Farbe zu markieren, was z. B. bei dem gegenseitigen Ausweichen der Schiffe nützlich sein konnte.