nicht aus dem ganzen Zusammenhang an einzelnen Stellen, aus Vergleichen u. S. W. zeigen lässt, dass Homer die einzelnen Farben gekannt hat.
Ein weiterer Irrtum von Gladstone und La Roche ist es, den Wortschatz des Dichters Homer demjenigen der homerischen Menschen gleichzustellen. Wer sagt uns denn, ob in jener Zeit die dichterische Sprache auch diejenige des gewöhnlichen Volkes gewesen ist? Das Gegen- teil ist viel wahrscheinlicher, da bis auf den heutigen Tag die poetische Sprache sich mit derjenigen des täglichen Lebens noch nie gedeckt hat. Können nicht die Menschen der damaligen Zeit Farbenausdrücke bei der Ausübung der Färberei¹) gehabt haben, die ganz zufäillig der Dichter nicht gebraucht hat, vielleicht weil sie ihm für seine poetischen Zwecke nicht passend erschienen? Ich glaube, dass aus dem Wortschatz der homerischen Sprache ein unbedingt sicherer Schluss auf die Farbenbezeichnungen der damaligen Menschen nicht zogen werden kann.— Doch dies nur nebenbei.
Nachdem wir uns so den Standpunkt gesucht haben, von dem eine vorsichtige Unter- suchung ausgehen muss, wollen wir mit Beiseitlassung alles Unwichtigen²) zu der Betrach- tung der einzelnen Farben übergehen, zu deuen in diesem Falle nicht nur diejenigen des Spektrums, sondern auch Schwarz, Weiss und Grau gehören.
DLe- ge
Weiss und Schwarz.
Die Farben Weiss und Schwarz werden bei Homer ebenso wie alle die Ausdrücke, die etwas Glänzendes(vergl. doyοs, doν νοεετεςαα u. s. w.) bezeichnen, häufig angewandt. Schon oben gelegentlich der Besprechung des Standpunktes von La Roche habe ich erwähnt, dass Homer den Schnee, die Milch, die Knochen, das Elfenbein mit dem Beiwort eονs versieht, das an diesen Stellen nur mit weiss übersetzt werden kann. Doch es werden auch andere Gegenstände leuzés genannt, bei denen es glänzend bedeutet, z. B. der Schild in dem Wort 1eνιαπ ‿‿ 294, wozu La Roche 1 357, F 437 u. s. Ww. citiert, an welchen Stellen wir o-rts qaetwi finden; auch ein neuer, noch blanker Kessel bekommt 268 das Epitheton 1eννοs. Dass auch die Haut des menschlichen Körpers εuzés genannt wird, ist freilich eine Unge- nauigkeit, aber eine dichterisch wirksam übertreibende, deren auch wir uns schuldig machen, wenn wir von einem schneeweissen Teint oder von Wangen sprechen,„die wie Milch und Purpur prangen“. Das klare, helle Wasser heisst 1eνs, das im beschatteten Quell natürlich 1.Aα⅞s..
Die weisse Farbe verwendet der Dichter, auch ohne sie zu nennen z. B.„ 105: ⁴ ⁶ 7018 51,6 zMi μμἀ⁴‿ταααα σσειισσισυν μμμεᷣνα old τe Tıνd dreds demοσ, wo ich old ε pirla auf ädsta beziehe. Es ist dies ein ausserordentlich treffender Vergleich, wenn die Wollfäden mit der glänzenden Farbe der Blätter einer Silberpappel zusammengestellt werden (vergl. unten ιτέοισροο). Die Übersetzung Jordans„dicht auf den Sitzen gereiht, wie die Blätter der strebigen Pappel“ ist sehr wenig poetisch, und ausserdem möchte ich bezweifeln, ob enges Sitzen gerade dem Spinnen föõrderlich ist.
Ebenso wie die weisse, kennt auch Homer die dunkle, schwarze Farbe. So bekommen die Schiffe, da sie mit Pech von aussen angestrichen waren, das Beiwort 4ε‿αμανιαι, ebenso die Erde, das dunkelrote Blut u. s. W. Es würde zu weit führen, alle hierhergehörigen
1) Vgl. 1 141, wo von einer Frau die Rede ist, die mit roter Farbe eine Elfenbeinplatte bemalt.
2) Diejenigen Farbenbezeichnungen wie ανπ aεοmν, ναἀννπσςα aunis), Iaοοασε, νο,*ο„ον u. s. W. deren Bedeutung zum Teil strittig und deren Anwendung für unseren Zweck belanglos ist, scheiden wir von der Untersuchung aus.


