Aufsatz 
Sapiens atque eloquens pietas : (Antrittsrede des Direktors) / [Friedrich Aly]
Entstehung
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Aufnahme zu danken, die Sie mir durch Ihren Vertreter bereitet haben. Ich rechne auf Ihre pflichttreue und hingebende Mitwirkung, ich hoffe nicht minder auf ein einmütiges und von gegenseitigem Wohlwollen getragenes Zusammenarbeiten. Endlich wende ich mich noch einmal an Euch, meine lieben Knaben und Jünglinge, und spreche die Erwartung aus, dass Ihr mir in der angedeuteten Richtung gern und willig entgegenkommen werdet. Euch ist viel Schönes be- schieden. Ihr wachset auf in einer lieblichen Landschaft, die zum fröhlichen Wandern und frischen Lebensgenuss auffordert. Aber noch schöner ist die Arbeit, zu der ich Euch nunmehr auffordere. Jenes fördert nur Euren leiblichen Menschen, dies aber Euer besseres Selbst, den Tνεᷣνμασασαιια νοσQαοο, dessen Heranbildung unsere wichtigste Aufgabe auf dieser Erde ist. Voraussetzung ist dafür einmal eine sittliche Haltung, wie sie den Schülern eines Gymnasiums ziemt. Die Vorwegnahme studentischer Freuden, die in einer Universitätsstadt so nahe liegt, würde Eure richtig verstandenen Interessen auf das schwerste schädigen. Ich liebe Kraft und Frische bei der Schuljugend. und Kopfhängerei ist mir verhasst, äber ich warne ausdrücklich vor der OUberschreitung jener Linie, die den Schüler vom Studenten scheidet. Und noch ein Zweites. Gespannte Aufmerksamkeit und regelmässiger Fleiss sind die anderen Voraussetzungen eines gesunden Schullebens. Erstere zu erzielen, ist Aufgabe des Unterrichts, aber sie genügt nicht. Gründliche Vorbereitung, gewissenhafte Pflichterfüllung muss hinzutreten, wenn etwas Erfreuliches herauskommen soll. Ich glaube nicht an das Märchen von der UÜberbürdung, mit der moderne Sentimentalität unsere Jugend zu verweichlichen droht. Es sind schon recht vieſe durch übermässigen Genuss erkrankt, durch übermässige Arbeit nur sehr wenige.

Und so wollen wir ans Werk gehen, an die gemeinsame Arbeit. Zuvor aber heben wir nach Christenbrauch Herzen und Hände empor und bitten den Vater im Himmel, Er wolle unsere Arbeit segnen, Er wolle segnen diese Anstalt und alle, die ihr als Lehrende oder Lernende angehören!

Die angekündigte Kaisergeburtstagsredeldealismus und Realismus ist weggefallen, weil auf höhere Anordnung die Feier des 27. mit der des 18 Januar vereinigt wurde. Die Rede wird als Abhandlung demnächst in der Zeitschrift für Gymnasialwesen erscheinen.