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steigen; die sinnliche Form muss in ein geistiges Element übergehn, was von allem sinn- lichen gereinigt ist ¹*). Da wird dieser sinnliche Inhalt ein ganz anderer; die Bedeutung, das Wesen der Idee tritt hervor, der einzelne Mensch wird verwandelt von der Gemeinde, wird gewusst als Gott, mit der Bestimmung, dass er der Sohn Gottes sei²), dass er die Geschichte Gottes und der Menscheit ist nach der Identität ihres Seins.
So ist dies sinnliche Erkennen für den Geist Ausgangspunkt, der dankbar anzuerkennen ist, aber der Uebergang vom Endlichen zum Unendlichen ist zugleich so, dass das Endliche herabgesetzt wird zu einem fernen Bild, das nur noch in der Vergangenheit besteht, zu einem untergeordneten Moment ³).
Das geistige Bewustsein bringt die Gemeinde an sich als Glaubensinhalt hervor, und darauf allein kommt es an,— nicht auf die Worte der Bibel. Was ist der Inhalt an und für sich, das ist die Frage. Der wahrhaft christliche Glaubensinhalt ist zu rechtfertigen durch die Philosophie, nicht durch die Geschichte; was der Geist thut, ist keine Historie. Es ist nur um das zu thun, was an und für sich ist, nicht Vergangenes, sondern schlechthin Präsentes ⁴).
Durch den Glauben, der auf dem Zeugnis des Geistes beruht, hat zwar das Subject die Wahrheit, dass die Versöhnung an und für sich gewiss ist, und ist dadurch fähig, sich selbst in diese Einheit zu setzen⁰), aber nur durch das Denken erhält dies Zeugnis des Glaubens seine Rechtfertigung, nur im Denken wird der Inhalt nach seiner Nothwendigkeit erkannt. Im Glauben ist wohl schon der wahre Inhalt, aber es fehlt ihm noch die rechte Form, die des Begriffs; der Glaube ist nur Gefühl oder Vorstellung; das Denken aber ist der absolute Richter, vor dem sich der Inhalt bewähren und beglaubigen soll. Die Philosophie denkt, was das Subject fühlt, und— überlässt es demselben, sich mit seinem
Gefühle abzufinden ⁰).
Jedenfalls muss die
Kritik der Hegel'schen Christologie
den Hebel ihrer Beweisführung über den christlichen oder antichristlichen Character des Systems und damit seiner Christologie, sowie über die philosophische Consequenz desselben, einsetzen an seiner Basis, an dem Begriffe des Absoluten. Dieses aber widerspricht sich selbst. Denn als diejenige vernünftige Substanz, welche im menschlichen Geiste und durch dessen Vermittelung ihre selbstbewusste Wirklichkeit hat, kann seine Wirklichkeit, da der menschliche Geist nur in einer Vielheit von Geistern zur Erscheinung kommt, und
) Hegel, Bd. XII. 257.— ²) ib 263.— ²) ib. 265.— ¹*) ib. 266.— ³) ib. 267.—*) ib. 287, 288.


