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dadurch, dass die Unangemessenheit der Endlichkeit gegenüber der Allgemeinheit Gottes für das Bewustsein verschwinde. Denn geschähe dieses, so verschwände das Urtheil des Geistes, seine Lebendigkeit, so hörte er auf Geist zu sein ¹). Auch die Natur kann diese Gewissheit nicht geben, darum nicht, weil sie keine Seele, keinen Geist hat und also auch von Gott nichts weiss. Zwar ist das Bewustsein des endlichen Geistes von Gott durch die Natur vermittelt; soll aber Gott als Geist erkannt werden, so muss das, worin wir ihn erkennen, auch geistiges sein ²2). Gott wird also durch den menschlichen Geist erkannt, aber auf diesem Standpunkte besitzt er nur das Bewustsein der Trennung.
Gott muss also selbst dem menschlichen Geist sich nahe zeigen; denn nur dann kann der Mensch sich in Gott aufgenommen wissen, wenn ihm Gott nicht ein Fremdes ist, wenn die an sich seiende Einheit der göttlichen und menschlichen Natur in gegenstündlicher Weise geoffenbaret ist. Dies ist in der Menschwerdung Gottes geschehen ²³).
Die Möglichkeit der Versöhnung ist nur darin, dass gewusst wird die an sich seiende Einheit der göttlichen und menschlichen Natur; und diese Einheit ist für ihn (den Menschen) wenn Gott als Mensch erscheint. Diese Beistimmung, dass Gott Mensch wird, damit der endliche Geist das Bewustsein Gottes im Endlichen habe, ist das schwerste Moment in der Religion. Allerdings erscheint dieses Inwohnen im Körper und die Vereinzelung zur Individualität als Erniedrigung des Geistes ⁴); das absolute Wesen, welches als ein wirkliches Selbstbewustsein da ist, scheint von seiner ewigen Einfachheit herabgestiegen zu sein, aber in der That hat es dadurch erst sein höchstes Wesen erreicht ⁵). Das Moment der unmittelbaren Existenz ist im Geiste als letzte Zuspitzung seiner Subjectivität selbst enthalten, und es ist Bestimmung des Geistes zu diesem Momente fortzugehn. Die Natürlichkeit ist nicht eine äusserliche Nothwendigkeit, sondern der Geist als Subject hat in seiner unendlichen Beziehung auf sich selbst, die Bestimmung der Unmittelbarkeit an ihm.
Diese unmittelbare Gegenwart ist nur Gegenwart in der geistigen Gestalt, welche die menschliche ist. Auf keine andere Weise ist diese Erscheinung wahrhaft, nicht etwa als Erscheinung im feurigen Busch u. dgl. m. ⁵), nicht in unzählig vielen Incarnationen, — sondern Gott als Geist enthält das Moment der Subjectivität, der Einzigkeit an ihm; jene Erscheinnng kann daher auch nur eine einzige sein, nur einmal vorkommen.
Damit diese absolute Idee der Einheit der göttlichen und menschlichen Natur gewusst, und nicht nur vom philosophischen Denken gewusst, oder nur als Nothwendigkeit erkannt werde, muss das»An sich«, die objective Wirklichkeit jener Einheit Allen zu- gänglich sein, und zwar in der Form der Gewissheit, d. h. in innerer und äusserer Anschauung.—
Da es aber der Mensch auf diesem Standpunkt nicht zu innerer Anschauung bringt, so ist es ihm hier nur um die Gewissheit des sinnlichen Anschauens, des Empfindens zu
¹) Hegel, Bd. XII., 231.— 4) XII, 234.— ³) XII., 235.=*) XII., 236.—*) II., 570.— ³) NXlII., 236.


