ohne Gott existiere. Dieses Andere, als ein selbstständiges von dem absoluten, in sich freien und seiner selbst sicheren Gotte, entlassen, ist die Welt überhaupt ¹). Ohne Welt ist Gott nicht Gott²). Aber dies Sein der Welt besteht nur darin, einen Augen- blick des Seins zu haben, ihre Trennung und Entzweiung von Gott aufzuheben, und zu ihrem Ursprung zurückzukehren. Denn da Gott selbst sich verendlicht hat, das Endliche also wesentliches Moment des Unendlichen ist, so ist dies der Inhalt des von Gott gesetzten Processes aus der endlichen Welt zu sich als Geist zurückkehren ³). Gott ist also als ewig sich selbst objectivierender und ewig in sich zurückkehrender— der Drei-Einige.
Die endliche Welt zerfällt nun in die natürliche Welt und in die Welt des end- lichen Geistes4). Da nun die Natur vom Geiste nicht weiss, so tritt sie, obwohl von ihm geschaffen, nicht für sich in ein Verhältnis zu Gott; von ihr aus ist also auch Rückkehr Gottes zu sich nicht möglich. Diese kann nur stattfinden im endlichen, im subjectiven, im menschlichen Geiste. Denn in ihm ist die Forderung, das Bedürfnis vorhanden die absolute Wahrheit zu wissen; dies Bedürfnis enthält unmittelbar dies in, sich, dass das Subject in der Unwahrheit sei, als Geist steht es aber zugleich an sich über seiner Un- wahrheit und deswegen soll diese überwunden werden. Die Unwahrheit besteht in der Entzweiung des Subjectes gegen sich selbst ⁵), es ist nicht so, wie es sein soll ⁶), sondern es soll sich auch so betrachten, es soll wissen, dass die Endlichkeit in ihrer äussersten Spitze das Böse istny. Uebrigens wird erst durch die Erkenntnis das Sein, wie es nicht sein soll, hervorgebracht; aber wenn in dieser Trennung die Quelle des Uebels jst, so ist auch andererseits die letzte Quelle der Versöhnung darin enthalten s). Der Mensch weiss sich also als bösen im Gegensatz mit sich, mit Gott und der Welt.
Weil nun in dem Subjecte die unendliche Forderung des Guten ist), so entsteht, eben daraus der unendliche Schmerz, dass es gegen das Absolute unangemessen ist Dieser unendliche Gegensatz des Absoluten auf der einen Seite, des Endlichen auf der anderen Seite muss aufgehoben werden, denn sonst käme eben jener Process der göttlichen Thätigkeit nicht zu seiner Vollendung.
Es muss dem Subject das Bewustsein werden, dass dieser Gegensatz nicht an sich, dass die Wabrheit oder das Innere das Aufgehobensein dieses Gegensatzes ist ¹⁰), dass also Gott ihm nicht wesentlich fremd gegenüber steht. Weil aber der Gegensatz an sich aufgehoben ist, so kann auch das Subject die Aufhebung desselben für sich erreichen, FPrieden, Versöhnung mit Gott erlangen. Dass der Gegensatz an sich aufgehoben ist, macht die Bedingung, die Voraussetzung, die Möglichkeit aus, dass das Subject ihn auch für sich aufhebe.
Wie aber bekommt nun der Mensch auf diesem Standpunkte des unmenschlichen Schmerzes die Gewissheit, dass der Gegensatz an sich aufgehoben ist?— Nicht etsa
¹) Hegel, Bd. XlI., 207— ²) XI., 122.— ³) XI., 121.—*) NII., 208.— ³) XII, 209.— ³) XIi., 215.— 4) XII. 220.— ³) XII., 216.— ²) XII., 222.— ¹) XII, 228.


