Aufsatz 
Darstellung und Beurtheilung der Kant'schen und Hegel'schen Christologie / Carl Vogt
Entstehung
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Dadurch aber, dass wir diesen Schematismus der Analogie in einen der Objects- bestimmung, zur Erweiterung unserer Erkenntnis verwandeln. entsteht ein in moralischer Hinsicht sehr nachtheiliger Anthropomorphismus ¹). Ein solcher aber findet statt, wenn wir das in unserer Vernunft liegende Ideal der Gott wohlgefälligen, moralisch vollkommenen Menschheit uns nicht anders denken können, als unter der Idee eines Menschen, der, obwohl mit den grössten Anfechtungen ringend, dennoch das gute Princip siegreich in sich darstellt ²).

Und während jenes Ideal, das allerdings von Gottes Wesen ausgeht, und demnach, wie die heil. Schrift sagt,»in ihm ist von Ewigkeit her« das nlSo kein erschaffenes Ding, sondern»sein eingeborner Sohn oder»das Wort« ist,«»durch welches«,(d. h. um

dessen Willen) alle anderen Dinge sind nicht bloss zu einer gewissen Zeit, sondern von dem Ursprung des Menschengeschlechtes an unsichtbarerweise in die Menschheit-vom

Himmel herabgekommen ist«, so denken wir es uns durch einen bostimmten Zeitact, in einem besonderen Menschen hypostasiert, und reden von einein»Stande der Erniedrigung« desselben, was nur ein Ausdruck für die Unbegreiflichkeit der Verbindung jenes heiligen Princips mit der menschlichen Vernunft ist ³²). Uebrigens bedürfte wenn es auch nie einen Menschen gegeben hätte, der diesem in unserer Vernunft liegenqen Ideale vollständig ent- sprochen hätte, die objective Nothwendigkeit der Idee gar keines Beispiels der Erfahrung, obwohl sie freilich auch nicht geradezu unmöglich wäre.

Wäre nun ein solcher wahrhaft göttlich gesinnter Mensch zu einer gewissen Zeit, gleichsam vom Himmel auf die Erde gekommen, als Beispiel, nicht als Urbild eines Gott wohlgefälligen Menschen, so hätten wir doch keinen Grund ihn für etwas anderes als einen natürlich gezeugten Menschen zu halten,(obwohl auch eine übernatür- liche Zeugung nicht schlechthin geleugnet würde) aber, da das Dasein des Urbildes in der menschlichen Seele schon an sich unbegreiflich genug ist, so ist die Annahme seiner Hypostasierung in einem besonderen Menschen nicht weiter nöthig 4). Vielmehr würde die Erhebung eines solchen Heiligen über die Gebrechen der menschlichen Natur eine solche nicht etwa errungene, sondern angeborene, unveränderliche Reinheit seines Willens eine solche Distanz zwischen ihm und dem natürlichen Menschen bewirken, dass er für diesen als Beispiel nicht mehr aufgestellt werden könnte).

Aber auch als rein menschlicher Lehrer würde er trotzdem so von sich reden können, als ob das Ideal des Guten in ihm leibhaftig geworden wäre, insofern er nämlich von der Gesinnung spricht, die er sich zur Regel seiner Handlungen gemacht, und die für alle Menschen, zu allen Zeiten vor der obersten Gerechtigkeit vollgultig ist). Denn was ist es anders als ein Anthropomorphismus, wenn wir diese Idee personificieren als den Sohn Gottes und diesen in der Reinheit seiner sündlosen Gesinnung für die Sünder, die

4) Rel. S. 76. ²) ib. 8 69.) ib. S. 67 ff.*) ib. S§. 73.) ib. S. 75.=*) ib. S. 77.