Aufsatz 
Darstellung und Beurtheilung der Kant'schen und Hegel'schen Christologie / Carl Vogt
Entstehung
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jetzt aber noch nicht bestraften Sünden in Angst und der göttlichen Strafe gewärtig sein müsse, fertigt er also ab:

Wenn sie ihn nicht vor der Besserung getroffen hat, so kann sie ihn auch nach derselben, wo er schon ein Gegenstand des göttlichen Wohlgefallens ist, nicht treffen. Da aber der Gerechtigkeit Gottes gleichwohl Genüge geschehen muss, so kann sie nur in und während des Zustandes der Sinnesänderung eintretend gedacht werden. Und da diese regelmässig mit Schmerzen und Cebeln des Lebens begleitet ist(von der heiligen Schrift»Absterben des alten Menschen-,»Kreuzigung des Fleisches« genannt) die dem Menschen als moralisch Anderem, als intelligibelen Wesen nicht mehr gebühren, so trägt in der That diese neue Gesinnung des moralisch umgewandelten Menschen stell- vertretend die Leiden für den alten, und thut so der Gerechtigkeit Gottes genug ¹).

Ein zweites Mittel das radicale Böse zu überwinden sieht Kant ferner:

II. In der Idee eines ethischen Gemeinwesens.

d. h. in der Errichtung und Ausbreitung einer Gesellschaft nach Tugendgesetzen und zum Behufe derselben.

Nur so kann für das gute Princip der Sieg gehofft werden. Denn sonst befindet sich der Mensch in einem cthischen Naturzustande, wo jeder sich selbst sein Gesetz giebt, was aber mit wechselseitiger Befehdung der Tugendprincipien und innerer Sittenlosigkeit identisch sein würde. In einem solchen ethischen Gemeinwesen kann aber nicht and hier vollzieht Kant den Uebergang auf das Gebiet der Religion die zu einem Ganzen sich selbst vereinigende Menge der Gesetzgeber sein, weil diese nur die äussere Legalität, nicht aber die Moralität der Handlungen(die etwas Innerliches ist), befördern könnte, sondern es muss ein anderer sein, der auch Herzenskündiger ist, um das Innere durch- schauen und Jedem geben zu können nach seinen Werken ²).

So gewinnt aber Kant den Begriff von Gott als moralischem Weltherrscher, der allein den Tugendgesetzen den ganzen und möglichen Effect geben kann, und ohne ihn ist, die Idee eines ethischen Gemeinwesens, d. h. eines nach Tugendgesetzen lebenden Volkes Gottes nicht zu denken ³).

Diese Idee ist nun nicht anders als in der Form einer Kirche ausführbar), welche, insofern sie kein Gegenstand möglicher Erfahrung ist, die unsichtbare oder ideale Kirche heisst, und deren Kennzeichen die Lauterkeit, die Einheit und Allgemeinheit, die Freiheit und Unveränderlichkeit sind).

¹) Rel. S. 87 92. ¹) ib. S. 121, 123, 129, 131. ů] ib. S. 133. ²) ib. S. 132.) ib. S. 134, 135.