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Was soll nun aber neben einem solchen Vocabular noch ein Wörterbuch, wie ich es oben bezeichnete? Es soll kein Präparationsmittel sein, sondern ein Buch zum Nachschlagen. Zu diesem Zwecke enthalte es alle Wörter, welche von Sexta bis zur Secunda zu lernen sind, also den gesammten Wortschatz von Nepos, Cgesar und Ovid, da sich hiernach der Wortvorrath gut eingerichteter Uebungsbücher bemisst. Es führe alle diese Wörter in alphabetischer Folge meist mit einer, seltener mit einigen Hauptbedeutungen, aber mit vollständiger Angabe
der Stammformen des Verbs(a rerbo) und des Genitivs der Substantiva auf. Ein solches Buch zum Nachschlagen ist für den Schüler ein Bedürfnis, auch wenn das Vocabellernen und Repe- tiren noch so regelmässig betrieben wird. ein Bedürfnis hauptsächlich bei der Anfertigung der Exercitien, aber auch sonst, um sich über Schreibung, a verbo, Genitiv u. S. w. zu vergewissern. Gewöhnlich muss ein Specialwörterbuch des Nepos oder Cäsar diesen Dienst leisten, wobei der Schüler, da sich der Wortvorrath beider Autoren nicht deckt, öfters in die Verlegenheit kommt, ein Wort nicht zu finden; er müsste denn zu beiden Specialwörterbücher besitzen. Ich wie- derhole, dass jenes Wörterbuch kein Präparationsmittel sein soll(denn hierzu dient das Vocabular), sondern ein Buch, um früher gelernte Wörter im Bedürfnisfall schnell zu finden, dass es also dem Schüler eine Hülfe für die Aus- arbeitung(oder, wie wir oben sagten, zweite Bearbeitung) des Scriptums und für die bei regel- mässigem Vocabellernen zwar seltenen, aber immer noch vorkommenden Fälle der Präparation biete, wo das Vocabular ein Wort wegen mehrfachen Vorkommens nicht wieder aufführt, der Schüler es aber doch vergessen hat. Es könnte dieses Nachschlagebuch sogar so eingerichtet sein, dass es ausser einer einzigen, und zwar der Hauptbedeu- tung, noch die Stelle im Vocabular nachwiese, wo mehr zu finden wäre.
In der Wahl und Einrichtung der Hilfsmittel, welche man der Jugend zum Zweck ihrer
häuslichen Präparation bietet, halte ich es für einen wichtigen pädagogischen Grundsatz, dass
Durchnahme der homerischen Formenlehre. Die hierauf verwandte Zeit lohnt sich für die Präparation des Dichters ausserordentlich, und es genügt schon die Hälfte jeder vierten Homerstunde, um mit Leichtigkeit im ersten Jahr einen kurzen Abriss der homerischen Formenlehre, wie ihn der Anhang der Berger'schen Grammatik auf noch nicht zwanzig Seiten bietet, zum Eigenthum des Schülers zu machen. Es scheint dies um so mehr zu empfehlen, als die Erlernung der homerischen zugleich eine Befestigung der schon gelernten regelmässigen Formenlehre bewirkt. Der schon gelernten, sage ich, denn ein didaktischer Fehler ist es, die Homerlectüre beginnen zu lassen, ehe die gesammte griechische Formen- lehre gelernt ist, weil dann die homerische der nöthigen Anlehnung entbehrt. Für die Prosalectüre lässt sich eine grössere copia verhorum erreichen, wenn in Tertia statt Xenophon ein Uebungs- buch mit einem auf Xenophon vorbereitenden Vocabular gebraucht wird. Ein solches Uebungsbuch ist zu- gleich für die Befestigung der Formenlehre— deren es auch in der Obertertia immer noch bedarf— dien- licher als ein Autor. Sonach würde Xenophon einen neuen Rückzug antreten, von Tertia nach Secunda. Trauen wir es ihm zu, dass sein Ruhm darunter nicht leidet, zumal wenn Homer sein Begleiter werden sollte. Der Rückzug des Homer und Xenophon nach Secunda wird aber dann ganz sicher statt finden, wenn, wie man zu beabsichtigen scheint, der Anfang des griechischen Unterrichts nach Tertia verlegt wird. Es ist nicht nöthig, dass dieser Gebietsverlust der beiden Autoren zugleich ein Machtverlust werde. Letzteres wäre sehr zu beklagen. Sind doch Homer und Xenophon zweifellos das Beste, was wir auf dem Gymnasium haben. Wir hoffen daher, dass beide, wenn sie aus der Tertia weichen(was ich von Xenophon entschieden wünsche), dafür desto grössere Liebe in den oberen Klassen erfahren; sie verdienen es vollauf, diese beiden herrlichsten Säulen hellenischer Schönheit und klassischer Grösse.


