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es jener seinem Unterricht zu Grunde legt. Als Mittel der Verständigung für beide setzt es jeder bei dem anderen voraus. Ausserdem ist in dem Lateinischen die Zurückführung der Wörter auf die Grundform so einfach. dass in dem Aufschlagen kein Nutzen liegen kann. Es kommt viel- mehr überall darauf an, dass der Schüler die Wörter lernt, nicht dass er sie aufsucht; ¹) dass er deutsche Wendungen aus den gelernten Wörtern selbst bildet, nicht dass er sie abschreibt. Und was durch eigenes Finden nicht erreichbar ist und doch der Schüler zum Zwecke seiner Prä- para tion nöthig hat, das wird der Lehrer gleich bei der Aufgabe sagen. Mit dem Vocabular geht der Schüler den geraden Weg, mit dem Specialwörterbuch den Umweg des Suchens und Schreibens; dort hat er das Ziel sicher, hier immer die Möglichkeit des Verfehlens. Jenen Umwegmit der Möglichkeit des Verfehllens abzuschneiden, den Schüler schnell mit der nöthigen Wort- kenntnis auszurüsten, ihm nicht nur Raum für eignes Denken zu lassen, sondern sogar die Nöthigung dazu aufzuerlegen, das ist es, was meines Erachtens viel besser mit dem Vocabular ols mit dem Specialwörterbuch erreicht wird. Ein Suchen und Schreiben(wieviel Zeit wird da-— mit vertrödelt!). ein Verfehlen(welchen Unsinn schreibt der Schüler oft in sein Präparations- buch, wie oft missversteht er sein Specialwörterbuch!) findet beim Vocabular gar nicht statt; schnell mit der unentbehrlichen Wortkenntnis versehen, geht er an's Extemporiren; wo er an- stösst, wirft er sich auf's Construiren und nicht auf's Suchen im Wörterbuch; sein Vocabular fordert sein Denken und reicht nur das dar, was er nöthig hat.
Endlich bietet der Gebrauch von Vocabularien während der drei Jahre des Quarta- und Tertia-Cursus noch den nicht zu unterschätzenden Vortheil, dass im Anschluss an diese Voca- bularien ein regelmàâssiges Vocabellernen ²) stattfinden kann, was im Anschluss an die von den Schülern selbst gefertigten Präparationen nicht möglich ist. Die vielen Zufälligkeiten, Irrthümer, Lücken und Ungleichheiten in den letzteren sind ein unüberwindliches Hindernis, sie zu einem solchen Zweck zu benutzen. Dagegen lässt sich mit Hilfe jener recht gut erreichen, dass ein von Tertia nach Secunda ubergehender Schüler den Wortschatz des Cäsar und Nepos auch zur Verwendung in den Pxercitien parat hat. Nach den Vocabularien nemlich können die Wörter auch deutsch-lateinisch memorirt werden Wie väre dies möglich nach den Präparationen der Schüͤler, in welchen der eine dies
²) Ich rede hier von mittleren Klassen, in oberen hat auch das Suchen sein Gutes, ohne den Zeitver- lust und andere Gefahren, die es in mittleren mit sich führt. Vergl. Waitz, Allg. Pädag.:„Zu den Mitteln, welche das Eindringen in die klassischen Sprachen erleichtern und beschleunigen, gehört namentlich die theilweise Ersparung des ebenso zeitranbenden als ermüdenden Nachschlagens, hauptsächlich im Anfang, so lange die Wörterkenntnis noch sehr gering ist;— nur die Wörter sollten vom Schüler nachgeschlagen werden müssen, an denen ihm entweder die Zurückführung der abgeleiteten Form auf die Grundform noch geläufiger werden soll als sie es ist, oder an denen er etwas Vergessenes wieder zu lernen hat.“
*¹) Mit vollem Recht hat Schrader(a. a. O. S. 355) das Vocabellernen wieder als ein Bedürfnis des Unterrichts zur Anerkennung gebracht, und zwar nach dem etymologischen Gesichtspunkt im Gegensatz zu dem sachlichen. Dir etymologischen Kategorien müssen aber irgendwo angeknüpft werden und als Anknüpfungspunkte können die Wörter inobigen Vocabularien dienen, in der Weise dass bei passenden Wurzelwörtern die etymologischen Ver- wandten angefügt werden. Anstatt wie seither etymologische Vocabularien im Anschluss an alphabetische oder grammatische Reihenfolge anzulegen kann man das Vorkommen neuer Wörter in der Lectüre den durch- gehenden Faden sein lassen, an den die composita und deribata anzuknüpfensind. Hauptsache aber bleibt, dass dieser Memorirstoff so ausgewählt wird, dass er für Exercitien, Lectüre und alle einzelnen Bestandtheile des Unterrichts verwendbar ist und diese darin ihre Einheit finden.
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