Aufsatz 
Pädagogisch-didaktische Aphorismen über Syntaxis ornata, Extemporiren, Construiren, Praepariren / Jul. Rothfuchs
Entstehung
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III. Alte und neue Wege zum Ziel

A) Syntaxis ornata. ¹)

Praevia lucidior multo candela sequente.

Wir lassen zunächst einige Extemporalien schreiben. Die Sexta erhält folgendes und führt es in nebenstehender Weise aus.

Ihr streckt eure Hände zum Himmel aus. Manus vestras ad coelum extenditis.

Gerechte Menschen haben uns nicht ge- Homines justi nobis non nocuerunt neque schadet und werden uns nicht schaden. nobis nocebunt.

Athen, Sparta und Corinth waren sehr Athenae, Sparta et Corinthus urbes maximae grosse Städte in Griechenland. in Graecia erant.

Als die Gallier einen Theil von Italien ver- Quum Galli partem Italiae popularentur, wüsteten, hat Camillus dieselben besiegt. Camillus eosdem vicit.

Die Römer haben viele mächtige Völker Romani populos multos potentes bello per- durch Krieg verfolgt. secuti sunt.

Wem hast du dieses Buch gegeben? Cui librum hunc dedisti?

Ich habe es jenem Manne gegeben, welcher Eum illi viro dedi, qui eum cupivit. es gewünscht hat.

Cajus wird wegen seines ausgezeichneten Cajus ob suum insigne studium ab omni Eifers von jedem gelobt. laudatur.

Mein Bruder und meine Schwester werden Frater meus et soror mea hodie venient. heute kommen.

Es giebt Richter, darum lasst uns den Ge Judices sunt, itaque legibus pareamus!

setzen gehorchen!

Ich hatte vorausgesetzt, dass die Kleinen die regelmässige Declination und Conjugation gut gelernt haben, und meine Voraussetzung hat mich nicht getäuscht. Kein einziger Fehler segen die Declination, keiner gegen die Conjugation, keine falsche Auffassung eines Casus, überall a verbo richtig, nie ein Deponens verkannt! Und dennoch ist das Extemporale voll unreiner Töne. Der Lehrer, der Latein versteht, corrigirt darum also:.

Manus ad coelum extenditis. Justi homines nobis non nockerunt nedue nocebunt. Athe- nae, Sparta, Corinthus maximae Graeciae urbes erant. Ouum Galli partem Italiae popalarentur,

¹) Unter Syntaxis ornata verstehe ich ohne an den vielen Angriffen, welche das Wort(besonders von Heinichen) erfahren hat, Anstoss zu nehmen, meinem alten Lehrer Zumpt folgend so ziemlich das-

selbe, was andere die Stilistik des einfachen Satzes nennen würden. Letztere Bezeichnung scheint mir für das, wovon ich zunächst zu handeln vorhabe, nicht so geeignet als Syntaæis ornata, weil dieses Wort einen weiteren Inhalt gestattet und manches umfusst, was ausserhalb der Stilistik liegt. Die Grenze gegen die regelmässige Syntax ist keine feste. Man wird aber den Inhalt der Syntaxis ornata ungefähr richtig treffen, wenn man alle Abweichungen der gut lateinischen von der deutschen Ausdrucksweise zusummen- fasst, soweit sie nicht in der Congruenz-, Casus-, Tempus- und Moduslehre(der s. g. regulären Syntax) enthalten sind.