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Veranlassung aller„Brüder“ zum Gesung und zu allgemeiner Teilnahme an der Tubagie, vorin Reden und Vorträge gehalten werden sollten, 3) Vereinigung zum Zwecke des Turnens, au einer Turnerschaft mit demokratischer Verfasung, Wahl der Vorturner usw.— Dieser von dem Primaner Kellner abgefagte Aufruf ist von ös Schülern unterschrieben; nur zwei Tertaner wollten von dom 2. Punkt nichts wissen.
Dad trotz des Einflusses, den die Freignisse dieses Jahres auf die Sehüler äußerten, diese doch im allgemeinen die Grenzen der Mläßigung mieht aus den Augen verloren und ihrer Pfiehten als Schüler eingedenk hlieben, wird von Direktor Münscher ausdrüchlich be- zeugt, der mit warmen Worten davor warnt, das Vertrauen zum guten Wüllen der Hers. felcer Sehüler aufeugeben.“) In der Disziplin Kurde an den bisherigen Grundsitzen fest. gehulten; nur wurde mit Genehmigung des Ministeriums des Innern den Sehllern der zwei oberen Klassen der Besueh von zMwei vor der Stadt gelegenen Wirtsgärten, in denen eine anstündige Gesellschaft verkehrte, gestattet und iunen an diesen Orten, sowie vor den Toren der Stadt das Rauchen zugestanden. Bbenso Wwurde den Schülern der oberen Klassen, fbrigens schon seit mehreren Jahren, während des Weinters einmal in der Woche eine Lu- sammenkunft im Speisesnal des Gymnasiums zu gemeinschaftlieher Unterhaltung unter müligem Genug von Bier erlaubt, die sog. Tabagie. Auch grift man zu einer Eintichtung aurick, die vor vielen Janren am Hersfeldder Gymnasium bestanden hatte,-) indem in der Aula im Beisein von Lehrern mehrmals im Winter Abendgesellschaften mit Spiel und Tanz veranstultet wurden.
Die gewaltige Gährung, die 1848 die Gemüter ergrifl, fund aber auch ihren Aus. druck in dem Verlangen nach einer Reſorm des höheren Schulwesens. Munnigfache Wünsche wurden laut und in amtliehen und niehtamtliehen Versammlungen, von Berufenen und Un- verufenen wurde die Frage der höheren Sehulen angelegentlich erürtert. Schon im Oster- progtamm 184s glaubte Nlünscher kurz auf die Aufgabe der Gymnusien eingehn zu sollen, vie sie sich durch die neuen Ereignisse gestaltet habe. Je gröler die Rechte des Volkes würden, so führt er aus, je mehr ihm eine freie und vielseitige Entwicklung seiner Krüfie gestattet Werde, desto größere Anforderungen ergingen an dasselbe und zugleich an die fhrenden Kreise desselben, die Staatsbeamten, und alle die, die durch Intelligenz im Volke eine allgemeinere Wirksambeit auszuiben befühigt scien. Soweit diese Befühigung durch die Schule bexirkt werden könne, liege sie hauptsächlieh den Gymnasien ob. Die Gymmazien würden daher noch mehr als sonst ihrer Bestimmung bowußt sein und aus allen Kräften dabin streben, den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden und zäglinge zu entlassen, in denen das, was sie in sich auftenommen hätten, kein toter Schatz bleibe. dondern die, mit Kraft ausgerüstet un Geist und Körper und von Liebe zum Volke beseelt, ereinst im Volke und für das Volk wohltätig zu wirken vermöchten.„Aber fern wird es den Gymmasien eben um ihrer wichtigen Bestimmung willen bleiben, üre Schüler in die Tagespaltik einzuführen.... Fern wird es den Gymmasien bleiben, um vorübergehender Tagesmeinungen willen die wesentlichen und bewührten Grundlagen ihres Gedeihens zu werändern und von der für eine tüehtige Bilddung notwencdigen Gründlichkeit sich zu ent-
¹ Procnamm 1810 S. 4¹.
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