Aufsatz 
Geschichte des Gymnasiums zu Hersfeld von 1817 - 1876 / von Philipp Hafner
Entstehung
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nachteilis werden. Daber ist den Schülern das Kartenspielen unter einander, sowie die Vereinigung mehrerer zum Genuſ geistiger Getränke auf ihren Wohnungen untersagt. zur Erholung der älteren Schüler wur auf dem Gymnasialhof eine Kegelbahn angelegt, die erst in den siebziger dahren bei dem Bau des neuen Aulagebäudes beseitigt wurde.

Upertretungen der Gesetze scheinen jedoch ziemlich hüufg gewesen zu sein, wurden aber mit groſer Strenge geahndet; so wurden ². B. im Sommerhalbjahr 1837 fünf Sehüler mit öffentlicher Verweisung, 2 mit stiller Entfermung, im Sommerhalbjahr 1842 zehn Schüler der II und I mit Verweisung von der Anstalt bestraft, die meisten wegen Ver- anstaltung von Kneipereien auf ihren Wohnungen oder Teilnahme an solehen. Der tiefere Grund für diese Erscheinung lag, wohl 2. T. wenigstens, in den Wohnungsverhültnissen der Sehüler, indem der größte Teil nicht in Pensionen untergebracht war, sondern nach Art der Studenten solbständige Wohnungen inne hatte, wodurch natürlieh die Kontrolle des häus- nehen Lebens wesentlich erschwert wurde. Diese Schwierigbeiten, verbunden mit der Er. innerung an das früher in Hersfeld vorhandene Iuternat der Alumnen, mägen wohl auch den Gedanken eingegeben haben, alle aussärtigen Sehüler nach Art der preußischen und säehsisehen Fürstenschulen in einem Konriktorium zu vereinigen, ein Gedanke, der schon durch Mlinisterial Reskripte vom 28. Angust und 7. September 18a angeregt worden war und mehrere Jahre hindurch ernstlich erwogen wurde. Im Januar 1839 sandte der Direktor ein ausführliches Gutachten über den Plan an das Hinisterium ein nebst Rissen und Kosten- anschlägen, wobei als Platz für das neu einzurichtende Gebäude in Vorschlag gebracht wurde ¹) der Raum, wo jetzt das Aula Gebäude steht, ²) das jetzige Okonomie-Gebiude, das bauliche Veründerungen hätte erfahren müssen, und a) der Raum zwischen der Direktor- Wonnung und der früheren Oberlehrer-Wohnung, der jetet noch von 2 Scheunen eingenommen wird; für den Fall der Ausführung dieses Planes wurde zugleich der Abhruch der übrigens damals vor 70 Jahren schon als baufüllig bezcichneten Lehrerwohnung in Vorschlag gebracht. Das Gutachten des Direktors verfehite nieht, auch auf die bedeutenden Kosten des Planes hinzuweisen, die zu dem erwarteten Vorteil in keinem Verhältnis stehen würden. Aber im Dezember 1835 kam dus MMinisterium aufs nene auf seinen Plan zurück und be- zeichnete es uls eine Sache von wesentliehstem Interesse, dal die grofe Zahl der auswärtigen Sehüler in Hersfeld, die in einem Alter der häuslichen Zucht und raiehung entrückt würden, welehes für die Ausbildung der Sitten die wiehtigste Lebensperiode sei, aueinem unter der ununterbrochenen, speciellen Aufsicht des Gymnasiums stehenden, den Verkehr mit un- gebildeten Hausbewohnern abschneidenden, für Ausbildung der Sitten und häuslichen Fleid gleich gedeihlichen Zusammenleben gebracht würden. Im Juni 1836 wurde auf höhere Anordnung eine Untersuchung des Gymnasialgebändes dahin vorgenommen, ob die Struktur desselben die Erhöhung um einen zweiten bezx. dritten Stock gestatte, und als die Erhöhung um 2 Stockwerke für bedenklich erklärt wurde, dachte man an einen Anbau, der so grol sein sollte, daß alle auswurtigen Schüler in dem Konriktorium Platz fänden. Bis zum Jahre 1838 wurden die Verhandlungen über den angeregten Plan fortgesetzt, in welehem Jahre derselbe durch Beschlus des Mlinisteriums des Innern vom 23. Februarwegen der vielen und groſen Schwierigkeiten, welehe die Ausführung dieses Planes durbietet, aufge- geben wurde.