besag das Gymnasium einen nicht nur mit trefrlichen Lehrgaben, sondern auch mit gründ. lieher Gelehrsamkeit ausgestatteten Lehrer, der spüter als Professor der Theologie in Zürich in zahlreichen Sehritten die Ergebnisse seiner Studien und Forschungen niedergelegt hat. Und Wilhelm Jacobi hat besonders als langhähriger Lehrer der Geschichte in den oberen Klassen mit groem Lehrgeschiek gewirkt, wenn er auch vielleicht hinsichtlich des Umfangs zuweilen über die dem Gymnasium für den historischen Unterricht gesteckten Gremzen ninausging. Groles Lehngeschick und hervorragende Gelehrsamkeit vereinigte auch K. W. Piderit, der spätere Hanauer Gymnasialcirektor, der qurch seine Ausgaben der rhetorischen Sehriften Ciceros sich in der philologischen Welt einen Namen gemacht hat. NMt groſer Gewissenhaftigkeit und Pfiehttreue Naltete auch Joh. Fr. Rugen Lichtenberg seines Amtes, wenn auch seine Tutigkeit hiufig durch Krankheit, ein schweres Nervenleiden, unterbrochen wurde, ebenso wie Pfarrer Wilh. Wiegand, an dem das Gymnasium einen edlen Menschen und treuen Lehrer von vielseitigen Kenntnissen besaß.
Von den Zeit. und Streitfragen, die das geistige Leben der damaligen Zeit bewegten, wurde auch das Hersfelder Lehrerkollegium ergriſten. Die große litterarische und kirehliehe Bewegung, die qureh David Priedrieh Strauß'„Leben Jesu- herrorgerufen wurde, zog auch in Hersfeld ihre Kreise. Während K. W. Piderit in einem an den Direktor gerichteten Sehriftstek sich ausdrücklich und in feierlicher Form zum apostolischen Glaubensbekenntni bekannte und dieses Bekenntmis als Richtschnur und Grundlage aller Lehrtitigkeit be- zwichnete, sehlossen sieh Jacobi und Volbmar der Junghegelschen Schule an, und das Ministerium, dem verschiedene uſerungen dieser beiden Lehrer berichtet wurden, be- schloß, mit aller Schärfo gegen dieselben vorzugehen. Münscher, der den Gegensitzen sehon früher hatto Spitze abbrechen wollen und der deshalb in den wöchent- liehen Andachten die Ansprachen, die bisher abweehseind den einzeinen Lehrern zufielen, selbst übernommen hatte, erklärte in seinem Berieht an das Ministerium vieles, was be- richtet worden war, für aufgebauscht und übertrieben und suchte die Vorwürfe auf das richtige Maß zurlekauführen. Jedenfalls seien Volkmar und Jacobi nieht mit den Materia- listen des 18. Jahrhunderts in eine Klasse zu setzen; und er dürfe annehmem, dag sie nicht leiehtsinnig ihre Ansichten gefagt und daß sie überzeugt seien, wider ihren Willen dureh Gründe, die innen unwiderleglich schienen, nach manchen inneren Kümpfen zu denselben tortgezogen zu sein. Jacobi bekehren zu wollen oder mit ihm in nähere Erörterung seiner gesunten Weltanschauung sich einzulassen, lehnte Münscher als keinen Brfolg versprechend ab und erklürte, sich darauf hbeschränken zu müssen, daß er seinen eigenen, abweichenden Standpunkt mit Rutschiedenheit zur Geltung bringe.
Dabei scheiut sich denn auch zumichst das Ministerium berubigt au haben. Schon nach kurzer Zeit aber hatte es sich aufs neue mit dem Lehrerkollegium zu beschättigen: Die seit 1845 in Hanau bestehenden Deutsch Katholiken suchten bei dem Ministerium um Genehmigung und Anerkennung ihrer neuen Gemeinde nach, erhielten aber den Bescheid, das eine solene Sekte in Kurhessen nicht werde geduldet noch anerkannt werden, und als sie dann sieh an die Stäündeversammlung mit der Bitte wendeten, ihnen durch geeignete Sehritte zu ihrem verfassungsmüligen Rechte der freien Religionsübung zu verhelfen, da gab der Landtags-Kommissar, Staatsrat Secheffer, eine Erhlärung ab, dal die Regierung zwar


