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goboren zu llarburg als Sohn des Konsistorialrates und Professors der Theologie W. Nünscher, der in der theologischen Fakultit der Landesuniverität INlarburg eine bedeutemde Stellung einnahm. Die theologische Entwicklung des Sohnes war von dem Vater wesentlich beein- fult. Von ihm hatte er die Weitherzigkeit und Duldung in religiös-kirehlichen Dingen ge- erbt, von ihm auch die Ahneigung gegen die zu seiner Zeit aufkommende Verpfichtung auf die kirehlienen Bekenntnisse übernommen. Wie sein Vater war aueh er ein entschiedener Gegner jeder Art von Gewissenszwang, weil sie ihm als etwas dem Grundeharakter des Protestan- tismus Wicdersprechendes erschien. Diese Milde, wie er sie in kirchliehen Dingen bewies, var überhaupt ein Grundzug seines Wesens; sie war eng verbunden mit einer, man möchte zagen, kindliehen Reinheit des Charakters und mit einer seltenen Lauterkeit und Güte des Herzens. Es waren zugleich die Eigenschaften, die ihm die Liebe aller erwarben, die au ihm in Beziehung traten. Seinen Amtsgenossen war er nicht nur ein wohlwollender Vor- gesetzter, sondern auch ein treuer Freund. Mit Entschiedenheit trat er jederzeit für ihre lnteressen ein und ließ sieh auch durch wiederholte Migerfolge nicht abhalten, immer von neuem dafür tätig au sein. Hine Gtenze fand sein Wohlwollen gegen die Kollegen nur an dem Interese der Austalt, das ihm über alles ging und dem gegenlber die einzeine Person zurliektreten multe. Seinen Schülern aber war er ein vüterlicher Freund, der Milde mit Strenge paarte und sich deren Liebe in einem Grade erwarb, wie sie nur selten einem Lehrer zuteil wird. Und wenn auch in seinen späteren Jahren die dreiste Jugend sich manchen Ubermut erlaubte, so war doch die Verehrung, die sie Mnscher entgegenbruchte, keine geringere, und der Name Münseher wurde von allen seinen Schälern nur mit Ehr- erbietung genannt. Münscher hat das Glick gehabt, noch bei L.ebzeiten, auch als er nicht mehr im Amte war, rührende Beweise dieser ungeheuchelten Liebe zu erfahren. Und als dann die Nachrieht von seinem Tode durch das Hiessenland ging, da erfüllte echte Trauer die Herzen vieler Männer und Jünglinge, die in dem„alten MNünscher“ ihren Lehrer und viterlichen Freund verehrt hatten.
Von der Wiehtigkeit humanistischer Bildung war er tief durchdrungen; und wenn er auch bereit war, den veründerten Bedürfnissen der Zeit einzelne Zugestindnisse zu muchen, so wollte er doch an den Grundlagen des humanistischen Gymnasiums nicht ge- rüttelt wissen und wandte sieh mit aller Entsehiedenheit gegen den Gedanken, dal die Eymnasien den quellen aller neueren Bildung und Veredlung, den Werken des Klassischen Altertums und den ältesten Urkunden des ehristlichen Glaubens, untreu werden könnten.
Mit praktischem Lehrgeschick verband er eine gründliche gelehrte Bildung auf thsologischem und philologischem Gebiete; wissenschaftlicher Tütigkeit blieb er auch in seinem ganzen Leben treu: eine gröleere Anzahl von Sehriften legt davon Zeugnis ab.
Dieser Mann also, der, wie keiner, berufen war, als Lehrer und Leiter zu wirken,
1 Nurde an die Spitze des reorganisierten Hersfelder Gymnasiums gestellt.)
Was den Unterricht betrifft, so wurde zu den drei bestehenden Klassen eine wierte hinzugefugt, die im Anfang des Jahres 1833 eröffnet wurde. Von den in diese Klasse aufunehmenden Schülern wurde gefordert, daß sie im Lateinischen nicht bloß eine
1) Uher den Lebensgang Illmschars vergi. Anbang I.


