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auf Grund der neuen Verfassung gewählten Landtag gehörte Kollaborator Vilmar als Ab- geordneter der Stadt Herstold an.
ll. Die Zeit von 1832—1848.
Im Winter 1832/33 erfuhr das Gymmasium eine bedeutende Umgestaltung, die be- deutendste, kann man wohl sagen, seit seiner Stiftung. Als nämlich die Landstände im Jahr 1832 eine Summe zur Verbesserung der Gymnasien verwilliet hatten und durch die vom Kurf. Ministerium des Innern angeordnete Unterriehts Kommission die allgemeinen Vor. bereitungen dazu getroffen waren, begann die Staatsregierung mit einer Umbildung des Uersfelder Gymnasiums, indem das Lehrerpersonal teils verändert, teils vermehrt, die Lahl der Klassen erhöht und eine neue Binrichtung des Unterrichts angeordnet wurde, auch durch Erlaß vom G. November 1832 in Beziehung auf Leitung und Disziplin einige neue Bestimmungen getroffen wurden.
Das Lehrerkollegium wurde völlig umgestaltet. Der bisherige Rektor Paber wurde durch Beschluß des Gesamt-Staatsministeriums vom 26. Oktober 1832 in den Ruhe. stand versetet, der 3. Lehrer Vilmar nach Hanau berufen und das Kollegium folgender- malen zusammengesetzt:
Direktor und 1I. Lehrer Dr. Wilhelm Münscher, seit 1836 in Hanau, Konrektor und 2. Lehrer Dr. Heinrich Wilhelm Kraushuar,
3. Lehrer Dr. Mlolter,
4 Dr. Creuzer, bisher Rektor der Alarburger Stadtschule,
.. Dr. Löber, bisher Privatlehrer, und
6.„ Dr. Deichmann, bisher an der Ritterakademie in Lüneburg.
Die Einführung der neuen Lehrer, die zum Teil schon ihr Amt vorläiufg angetreten hatten, wurde von Kurf. Regierung zu Cassel den Vorstehern des Gymnasiums aufgetragen und durch den Kirehenrat Geistlichen Inspektor D. Sehller am 7. Januar 1833 in feierlieher Versammlung aller Lehrer und Schüler vollzogen.
Alle G Lchrer hatten nach dem damals in Hessen geltenden Brauch Theologie und Philologie studiert, eine Verbindung, die dem Pfarramt nieht minder wie dem Lehramt au- gute kam. Man mag es immerhin als eimen Vortell bezcichnen, dal, wie auf allen Gebieten menschlicher Tütigkeit eine weitgehende Arbeitsteilung eingetreten ist, so auch die Wissen- schaften eine bis ins einzelnste gehende Spezialisierung erfahren haben, aber man wird an- erkennen müssen, daß in jener früheren Zeit die philosophisch-theologisch-philologische Ge- samtbilcdung eine größere. harmonischere war, ohne dab darunter die Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit im einzelnen gelitten hätte. Ein Muster dieser Bildung war der Mann, der von nun an über ein Nlenschenalter an der Spite des Hlersfolder Gymmasiums stehen sollte, Dr. Wilhelm Münscher. Dieser entstammte einer Hersfelder Familie; sein Großxater war der Metropolitan Philipp Georg NMünscher in Hersfeld. Er selbst war


