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Bemühungen will es ihm nicht gelingen, das Gesetz für die Harmonie des Wissens zu finden. Alle seine Auseinandersetzungen umschreiben schliesslich die ganz willkürlich gemachte An- nahme, dass die Wahrheit ¹) überall dieselbe sei, dass also zwischen Irdischen und Himmlischen. zwischen Religion und Wissenschaft kein Gegensatz möglich sei.
Auf welchem Wege soll nun die Jugend zur Befolgung des Gesetzes zur Lehre Christi herangezogen werden? Nach welchem Plan soll verfahren werden? Comenius verlangt, dass die Methodik der Künste zu Grunde gelegt werde, dass also auch die Frömmigkeit handelnd zu erlernen sei. Getreu seinem Grundsatze, dass der Stoff der Form vorangehe, müssen Gewöhnung und Nachahmung höher stehen als der dogmatische Unterricht. Die Unterweisung in der Lehre Christi soll schon im frühsten Alter beginnen. Das Kind soll begreifen, dass ein Gott sei, der Herr über Himmel und Erde, welcher alles geschaffen habe, von dem alles Gute und Schöne komme, der als gütiger Vater die Welt regiere und ordne. Das Kind soll lernen, ihn wie einen Vater zu lieben und seine Gebote fleissig befolgen.
So weit, meint Comenius, kann bereits ein Kind von 6 Jahren in der Frömmigkeit gefördert werden ²). Da nun aller Unterricht an die Anschauung anknüpfen soll, so muss der erste Schritt auf dem Wege zur Frömmigkeit an der Hand von Vater und Mutter zurück- gelegt werden. Das Kind soll zu der Einsicht geführt werden, dass ihm von dem gütigen Vater im Himmel in derselben Weise Gaben der Liebe gespendet werden wie von Vater und Mutter, es soll endlich auch wissen, dass der allmächtige Gott die Bösen strafen und die Guten belohnen kann. An dem Beispiele derer, die von dem Tode hinweggerafft und in ein anderes Leben versetzt werden, soll das Kind an die Vergänglichkeit des Irdischen erinnert werden; es soll ahnen, dass der Mensch auf dieser Erde niemals eine bleibende Stätte auf- schlagen kann. Da aber der Mensch aus Leib und Seele besteht, da beide der Ausdruck derselben Idee sind, so muss die innere Verehrung Gottes einen äusseren Ausdruck finden. Die äussere Gottesverehrung soll im Gebet und in der Teilnahme an den heiligen Gebräuchen ihren Ausdruck erhalten. Vom ersten Gebrauche an der Augen, der Zunge, der Hand, der Füsse sollen sie nach dem Himmel blicken, die Hände erheben, Gott und Christum nennen. vor der unsichtbaren Majestät Gottes die Knie beugen und ihn fürchten lernen ³). Es Sei, so meint Comenius, durchaus nicht nötig, dass die Kinder ein Verständnis für diese Handlungen hätten, sie brauchten nur zu wissen, dass es zu thun sei. Wenn sie diese Gebräuche handelnd gelernt hätten, so würde ihnen später die Einsicht in das was, warum und wie ihrer Handlungen leicht werden. Comenius wird in diesen Auseinandersetzungen seinem Prinzipe der Anschaungen untreu. Wenn man ihm zugiebt, dass in der Nachahmung die rechten Keime der Gottesfurcht gepflanzt werden, so dürfen immerhin Nachahmung und Gewöhnung nicht mit der Abrichtung für die äusseren Zeichen religiöser Stimmung verwechselt werden. Nur diejenigen äusseren Zeichen der Gottesverehrung können von dem Kinde erwartet werden, die sich aus der kleinen christlichen Gemeinde des Hauses von selbst ergeben, da in der Ein-
¹) Beleuchtung der pansophischen Bestrebungen(Beeger und Leutbecher) S. 131. Opera omnia (dilucidatio) p. 467.
²) Näheres im Informatorium der Mutterschule S. 29. Opera omnia(schola infantiae) p. 208.
*) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 147. Opera omnia p. 140.


