30
ordnung in diese Gemeinschaft die Fundamenten des frommen Fühlens für die gesammte Lebensweise gelegt werden ¹). Vor allen Dingen aber, und das betont Comenius mit Recht, sollen die Kinder gewöhnt werden, ihren Glauben durch Werke kenntlich zu machen. Jeder Glaube ist tot, in dem nicht Werke der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit ihre Wurzel haben. Die Jugend soll eben so erzogen werden, dass das Innere in den Handlungen seinen äusseren Ausdruck findet, da sonst nur blosses Geberdenspiel und elende Heuchelei gebildet wird.
Die Religion ist eine lebendige, nicht eine gemalte Sache; ihre Lebenskraft soll sie durch den Erfolg zeigen, wie lebendiger, der Erde übergebener Same bald keimt ²). Da jede Unterrichtsstufe der folgenden den Weg bereiten soll, so sind in den gegebenen Anschauungen des Comenius die Zielpunkte für die religiöse Bildung auch der reiferen Jahre festgelegt worden. Der praktischen Bildung muss später eine theoretische vorangehen, d. h. die wahre und volle Kenntnis dessen, was Gott geoffenbart, geboten und verheissen hat³); es kann sich nur um das Lesen der heiligen Schrift handeln, welche als das Hauptbuch aller christlichen Schulen bezeichnet wird. Alles theoretische Wissen aber, und wäre es noch so fein durchdacht, führt nur an die Schwelle der Frömmigkeit. Schliesslich sollen sich der praktische und theoretische Gesichtspunkt in der Überzeugung verbinden, dass Gott in uns und wir in ihm wohnen und darum bereits auf diesen Welt ein himmlisches Leben führen können. Wenn in dieser Stim- mung des menschlichen Lebens die äussere und innere Verehrung Gottes ihren Ausdruck findet, so kann man Comenius nur beistimmen. In der pansophischen Schule wird leider der Einklang der beiden religiösen Momente durch die besondere Betonung der äusseren Gottes- verehrung gestört. Comenius hat übersehen, dass in der Häufung der äusseren Gottes- verehrung die Kraft des religiösen Empfindens sich abnutzt, die Harmonie des Kussern und Innern gestört wird. Dem komenischen Erziehungsideale entspricht es, Mass zu halten in allen Dingen, da nur dann das Endziel der Erziehung, die Bildung des harmonischen, d. h. gottähnlichen Menschen erreicht werden kann. Es darf nicht übersehen werden, dass die sittliche Bildung in der Methodik der Frömmigkeit ihre Ergänzung erhält. Im frommen Menschen, wie ihn Comenius lehrt, werden Nachahmung und Gewöhnung durch die freie That der Sinnesänderung überwunden.
An rechter Stelle und bei echter Weihe soll auf dem Gebiete der sittlichen Bildung die Mahnung ertönen:
„Wir sollen bessere Menschen werden!“
Die vorliegende Arbeit sollte die grundlegenden Begriffe der Pädagogik des Comenius klar legen. Bei den engen Schranken, die einer Programmarbeit gesteckt sind, konnte manches nur angedeutet werden, was einer ausführlicheren Erörterung bedarf. In einer folgenden Arbeit soll die Methodik der einzelnen Unterrichtsfüächer und die Anschauungen des Comenius über die Organisation des Schulwesens besprochen werden.
¹) Näheres bei Stoy, Encyklopädie der Pädagogik S. 97. ²) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 183. Opera omnia p. 143. a) Pansophische Schule(Obersetzung v. Beeger) S. 162. Opera omnia(scholae pansophicae delineatio) p. 25.


