Aufsatz 
Festschrift zur Einweihungs-Feier des neuen Gebäudes für die Oberrealschule Marburg a. d. Lahn
Entstehung
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seinem Beispiele zur rechten Zeit ermahnende und strafende Worte beizufügen weiss. Wenn aber diese sanfteren Mittel nicht ausreichen, so ist endlich zu gewaltsameren Mitteln zu greifen, damit nichts unversucht bleibe, pevor jemand wie ein zum Anbau ungeeignetes Land preisgegeben werde ¹). Diese strengeren Zuchtmittel sind aber nicht anzuwenden wegen der Studien und Wissenschaften, sondern nur wegen der Sitten. Denn die Studien, wenn sie recht eingerichtet sind, locken durchsich selbst die Geister an, und ziehen und reissen alle durch ihre eigene Süssigkeit zu sich hin ²). Zur Harmonie des Menschen gehört aber, wie wir früher sahen, nicht nur die Weisheit, sondern auch die Tugend. Aus den Grundlagen der komenischen Pädagogik lässt sich nicht verstehen, warum die Bildung zur Weisheit weniger Schwierigkeiten bieten soll als die Erziehung zur Tugend, da ja in jedem Menschen das Verlangen nach dem höchsten Gute ebenso lebendig ist, als die Sehnsucht nach erweiterter Kenntnis der Dinge. Ein leiser Anstoss und Bestimmung der Richtung müsste im Geiste des Comenius gesprochen, als Grundlage für die Methodik der sittlichen Bildung genügen. Das Vorbild des Lehrers, die Stetigkeit einer bestimmten Lebensordnung würden die Stützpunkte der sittlichen Bildung abgeben. Der Zucht würde die Aufgabe zufallen, die Kräfte der Aussenwelt, welche zerstörend auf diese Lebensordnung wirken, fern zu halten. Das Bild einer bestimmten Lebensordnung unterwirft Comenius in seiner pansophischen Schule. Man erkennt leicht, dass der Begriff der Zucht, wie er im System des Comenius vorliegt, keinen bestimmten Inhalt hat, dass er nur die Abwehr des Schlechten und Schädlichen in sich schliesst. Comenius überschätzt auf dem Gebiete des sittlichen Lebens die Macht der Gewöhnung, unterschätzt den Gegensatz zwischen Neigung und Pflicht, bietet keine Gesichts- punkte für die Bildung eines Charakters. Es ist eben nicht wahr, dass der Mensch von selbst dem Guten und Göttlichen zustrebe; Comenius übersieht, dass nur im Kampfe die Annahme guter Grundsätze erworben wird; die Gewölmung und Nachahmung können nur als die Vorbe dingungen zur Annahme sittlicher Maximen angesehen werden. Die Methodik sittlicher Bildung, wie sie Comenius entwickelt, pleibt in den engen Schranken des Individuums, hat die Glück- seligkeit des Einzelnen im Augen, sie widerspricht dem Endziele seiner Pädagogik. Wenn der Mensch die Gottheit in sich zur Darstellung bringen, wenn die menschlichen Verhältnisse einer vollständigen Umgestaltung entgegengeführt werden sollen, so handelt es sich um die Befestigung von Grundsätzen, welche die engen Schrauben des Individuums und seine Glück- seligkeit durchbrechen und zur Umgestaltung des Lebens nach sittlichen Grundsätzen auffordern. Wenn man selbst der Annahme zustimmen sollte, dass Nachahmung und Gewöhnug die Grund- lagen der Methodik des Sittlichen bilden, so bleibt dennoch der Gegensatz des Comenius zu seinem Erziehungsideale bestehen.

Wenn es die Aufgabe der Erziehung ist, den Menschen nach der Idee der Gottähnlichkeit zu bilden, so muss das gesammte Thun und Treiben dem Ziele entsprechend geordnet werden, die Zucht muss eine bestimmte Richtung annehmen. Giebt die Gewöhnung den methodischen Gesichtspunkt ab, so muss der Schüler in die Lage gebracht werden, eine bestimmte Reihen- folge derselben zu erfahren. Jede Richtung würde aber die Aufgabe haben, das Interesse

¹) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 205. Opera omnia p. 183. ²) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 203. Opera omnia p. 161.