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Die methodische Forderung des Comenius, so wenigstens kann man ihn begreifen, verlangt eine solche Darbietung des Unterrichtsstoffes, dass der Schüler die Formgebung, d. h. die Stiftung einer bestimmten Ordnung der Dinge, selbst herbeiführen kann und will. Comenius geht von dem Gedanken aus, dass die von ihm fast belebt gedachte Natur dem menschlichen Erkennen entgegenkommt. Leider hat er diesen Gedanken, der an die psychologische Begründung des Unterrichtsverfahrens streift, nicht weiter ausgeführt. Die von ihm geforderte Ordnung der Dinge bleibt schliesslich eine rein äusserliche, betrifft mehr die Verteilung des Bildungsstoffes auf die einzelnen Altersstufen, als die Einsicht in den gesetzmässigen Zu- sammenhang. Das Verfahren der Natur soll also die Ordnung und Gliederung des Unterrichts bestimmen. Aus diesen Gesichtspunkten ergiebt sich, dass der Stoff der Form, Leichteres dem Schweren, die Anschauung dem Begriffe vorangehen muss. Diese Gesichtspunkte seiner Methodik die in der damaligen Zeit einen Fortschritt bezeichneten, sollen der Ordnung der Natur entsprechen. Nicht etwa aus den Naturgesetzen schöpft er seine Anschauungen, sondern aus den jedermann zugänglichen Beobachtungen. Zu Grunde liegt die Ueberzeugung des Comenius, dass die Natur in der Verwendung ihrer Mittel stets zweckmässig. sparsam und kontinuierlich vorgehe. Warum muss, um ein Beispiel anzuführen, der Unterricht in der Jugend seinen Anfang nehmen? Alles ist um so leichter bildsam. je zarter es ist. Ein Bäumchen kann gepflanzt, umgepflanzt, so und so gebogen werden, der erwachsene Baum in keiner Weise ¹). Auch in Knalogien mit den Künsten sucht Comenius eine Begründung seiner methodischen Gesichtspunkte herbeizuführen.
Der Bildhauer, der eine Statue anfertigen soll, nimmt einen Block, behaut ihn ringsum, und zwar erst grob, dann fein, zuletzt arbeitet er die Einzelheiten sorgf tältig aus ²)
Hieraus folgert Comenius die methodische Wahrheit, dass jede Wissenschaft oder Kunst zuerst in den allgemeinsten Grundzügen gelchrt werden müsse. Aus ähnlichen Analogien folgert er, dass der Lehrer den Unterrichtsstoff abteile, jedes in einem bestimmten Zeitabschmitte erledige. Die gegebenen methodischen Gesichtspunkte haben für die äussere Gestaltung des Unterrichtsverfahrens eine gewisse Bedeutung; es fragt sich aber sehr, ob sie in den Analogien mit der Natur ihre Rechtfertigung erhalten können; derartige Hinweise auf die Vorgänge in Natur und Kunst dienen nur zum besseren Verständnis der komenischen Anschauungen, liefern aber keinen Beitrag zur Begründung derselben. Es machte den Eindruck, als ob die metho- dischen Gesichtspunkte des Comenius schon früher fesgestanden und erst später ihre Recht- fertigung in den recht zweifelhaften und ermüdenden Analogien erhalten hätten. Mit dem Hinweisen auf die äussere Natur verzichtete Comenius auf die methodischen Winke, die in den einzelnen Wissenschaften selbst liegen. Er stand an der Schwelle des Richtigen, als er, wie früher erwähnt, in seiner Methotik sich auf die Bedingungen berief, unter denen der menschliche Geist die Wissenschaft hervorbringt. Das einzige wirklich fruchtbar gewordene Princip seiner Methodik, die Anschauung, ergab sich aus der Einsicht in das Werden des Wissens, begründet sich aber nicht in den Analogien von Natur und Kunst. Da Comenius Baco von Verulam kannte und verstand, so hätte man wohl die Frage erwarten können: Wie lässt sich das Erkenntnisprincip der Induktion im Unterricht methodisch verwenden? Es wäre
¹) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 49. Opera omnia p. 32. ²) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 99. Opera omnia p. 73.


