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Nicht Worte wie bisher, sondern die Dinge selbst, welche auf Sinn und Gedächtnis Eindruck machen, sollen der Jugend nahe gebracht werden. Der Weg auf welchem die Wissenschaften sich entwickelt haben, deutet die Gesichtspunkte an für die einzelnen Stufen der Bildung. Comenius lässt alles Wissen mit den Sinnen anheben und sich im Verstande und in der Vernunft vollenden. Einbildungskraft und Gedächtnis haben das mit den Sinnen erfasste für ein abschliessendes Urteil vorzubereiten ¹). Es wäre bedenklich, diese vielfach recht unklaren Gedanken des Comenius erkenntnis-theoretisch deuten zu wollen. Die Behauptung, dass alles wirkliche Wissen in den Sinnen seinen Ursprung nehmen müsse, bezeichnet die Betonung der Induktion und des Experimentes. Dem Überliefern des Wissens durch Tradition stellt Comenius entgegen das Erwerben desselben durch eigene Anschauung, Beobachtung und Experiment. Der Geist Bacos von Verulam war in ihm lebendig geworden.
Verulam, so äussert er sich im Prodromus pansophiae, hat in seinem Organon eine untrügliche Weise, das Wesen der Dinge zu erforschen, entdeckt²). Unter dem sinnlichen Ursprunge des Wissens wird nicht nur die rein äussere Wahrnehmung der Gegenstände, die Stellung derselben in die gehörige Gesichtsweite zu begreifen sein, sondern eine andere Methode des Erkennens. Diese Grundlagen des Erkennens entsprechen auch dem komenischen Principe, überall selbst zu sehen, sich nicht auf Autoritäten zu verlassen, wenn man mit Gründen beweisen kann. Wenn nun die Wissenschaften in den Sinnen ihren Anfang haben. so müssen auch bei dem Knaben zuerst) die Sinne geübt werden, damit er die Gegenstände klar und deutlich erfasse. Nur der von Jugend auf im Beobachten der Dinge geschärfte Geist kann zur Einsicht in den Zusammenhang derselben gelangen. Dass auf einer höheren Stufe des Erkennens das Princip der Anschauung in der Methode der Induktion seinen Ausdruck finden muss, scheint fast selbstverständlich.
Wie sehr Comenius das Experiment und die Induktion schätzte, ergiebt sich aus seinen Klagen über den mangelhaften Unterricht in der Physik. Beinahe niemand lehrt die Physik, indem er sie für die Augen anschaulich macht und durch Experimente, sondern alle, indem sie die Texte des Aristoteles vortragen 4). Zweifelhaft ist es, ob Comenius die letzten Conse- quenzen seines neuen Unterrichtsprincips vollständig gezogen hat. Wenn die Anschauung und die Induktion sich als Principien der komenischen Methodik ergeben, so muss der Stoff der Form vorangehen. Erst die Anschauung, dann der Begriff. Erst die Sachen, dann die Ordnung derselben. Der Stoff, so äussert sich Comenius, verlangt nach Formgebung ⁵).
Diesen neuen Gedanken seiner Methodik begründet er nicht in psychologischen That- sachen, sondern aus Analogien mit der Natur. Ueberall in derselben herrsche das Verlangen nach grösserer Vollkommenheit. Höher als der Stoff stehe die Ordnung der Dinge. Die Sachen gehen stets voran, sie lassen sich aber nach bestimmten Gesichtspunkten ordnen une gesetz- mässig verbinden.
¹) Beeger& Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 111. Opera omnia p. 82.
²) Übersetzung von Beeger S. 95. Opera omnia(pansophici libri delineatio) p. 426. ²) Beeger& Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 111. Opera omnia p. 82 VII.
¹) Beeger& Zoubek(Grosse Uuterrichtslehre) S. 122. Opera omnia p. 92.
*) Beeger& Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 106. Opera omnia p. 78.


