Aufsatz 
Festschrift zur Einweihungs-Feier des neuen Gebäudes für die Oberrealschule Marburg a. d. Lahn
Entstehung
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zu trennen. Wenn aber der Mensch Gottes Ebenbild und die Würde der Menschheit unter den Dingen zur Darstellung bringen soll, so ergeben sich aus dieser Richtung auf den sittlichen Endzweck Gesichtspunkte für die Beschrünkung der Universalität des Wissens von selbst. Unnötig ist das, was weder der Religiosität, noch der Sittlichkeit dient, und ohne welches dennoch die Bildung bestehen Kann ¹).

In diesem Gedankenkreise des Comenius begrüssen wir den Grundgedanken des erziehenden Unterrichts Unterricht ein Mittel sittlicher Bildung. Eine Auswahl der Bildungs- stoffe, nach diesem Gesichtspunkte ist von Comenius nicht vollzogen, sondern nur angedeutet worden. Unverständlich bleibt es, dass er die Harmonie als den Endbegriff seines Systems in dieser Richtung nicht fruchtbar gemacht hat. Gerade dieser Begriff hätte die Grundlage abgegeben, Verwandtes und sich Ergänzendes, d. h. im Einklang stehendes, aus dem Reichtume des menschlichen Wissens als Bildungsstoff auszuwählen. Den Gedanken, nach der Seite des religiös-ethischen und theoretischen Erziehungsideals die Bildungsmittel in grundlegenden Thatsachen zu finden, hat Comenius noch nicht gehabt.

Es handelt sich bei ihm weniger um die Konstruktion eines bestimmten Ge- dankenkreises, als um den Reichthum und die Fülle des Wissens. Wenn der Mensch ein Abbild der göttlichen Allwissenheit sein soll, so muss dem schwachen Menschen die Quantität des Wissens höher stehn als die Ordnung desselben. Bei einem höheren Standpunkte der Dsychologischen Wissenschaft hätte Comenius seine Meinung von der unbegrenzten Aufnahme- fähigkeit des menschlichen Geistes sicherlich beschränkt. Die Universalität der Kenntnisse steht auch im Widerspruch zu seiner pädagogischen Überzeugung, dass kein Wissen auf Grund von Tradition, sondern nur im Vertrauen auf die eigne Vernunft zu erwerben sei. Bei einem solchen methodischen Principe hätte sich die Beschränkung auf die hervorragendsten Thatsachen des menschlichen Geisteslebens von selbst ergeben müssen. In der Schrift über die pansophische Schule nähert sich Comenius dem oben ausgesprochenen Gedanken durch die Einschränkung, dass den Geistern die Gesamtheit des Besten aus dem ganzen Wissensgebiete eingeflösst werde, wiederholt dann aber sofort seinen Lieblingsgedanken, dass jeder Mensch in seinem Wissen ein Abbild des allwissenden Gottes sein möge ²). Comenius fühlt den Gegensatz seines universalen Bildungsprincips zu der Enge des menschlichen Bewusstseins und kann ihn nicht überwinden. Aus diesem Widerspruche ergiebt sich die Unsicherheit, feste Grundsätze für die Auswahl der Bildungsstoffe festzustellen. Wie denkt sich nun Comenius, bei der Allgemeinheit seines Bildungsziels, die Verwirklichung der Aufgabe, alle diesem Ziele entgegenzuführen? Er wünscht, wie wir wissen, dass die Studien des gesamten Lebens eine einzige Encyclopädie bilden 5). Da nun alle unterrichtet werden sollen, so muss jeder einen Bruchteil dieses pansophischen Ideals als geistiges Eigenthum beherrschen. Er verlangt, je nach Alter und Klassenstufe, eine solche Verteilung des Wissenstoffes, dass die Grundlagen der gesamten Bildung von Anfang an gelegt werden.

Die nachfolgenden Studien sollen nichts Neues bieten, sondern nur eine Weiterentwicklung ins Einzelne sein; das Frühere soll überall dem Spätern voranleuchten und den Weg

¹) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 148. Opera omnia p. 112. ²) Pansophische Schule(Beeger) S. 146. Opera omnia(scholae pansophicae delineatio) p. 11. ³) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 126. Opera omnia p. 94.

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