Aufsatz 
Festschrift zur Einweihungs-Feier des neuen Gebäudes für die Oberrealschule Marburg a. d. Lahn
Entstehung
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Ppereinstimmung geben das volle Bild des Einklangs. Wenn der Mensch ganz Harmonie ist sowohl in Rücksicht auf die Scele, wie auf den Leib ¹), so ergiebt sich der harmonische gebildete Körper, als die Grundbedingung des vollen Einklangs. In diesen Auseinandersetzungen des Comenius liegen, wenn auch nicht deutlich ausgesprochen, die Gesichtspunkte für eine planmässige physische Erziehung. Schon der Gedanke des Comenius, alles Masslose und Unharmonische ²) zu vermeiden, begründet die Aufstellung eines solchen Ideals physischer Bildung. Ein bestimmtes Ideal hat Comenius nicht aufgestellt. Einige Gesichtspunkte für die physische Erziehung des Menschen entwickelt er in seinen Erörterungen über die mögliche Verlängerung des menschlichen Lebens) und in den pansophischen Schulschriften. Weitere Gesichtspunkte ergeben sich aus der Methodik der Künste, dass ohne körperliche Gewandtheit eine Beherrschung der Dinge nicht möglich sei. Wenn alles handelnd erlernt werden muss, so ergiebt sich der Gedanke einer planmässigen Ausbildung des Körpers von selbst. Das Endziel der komenischen brziehungslehre lässt sich zusammenfassen in dem Begriffe Harmonie, der das Ideal der religiös- sittlichen, theoretischen und physischen Erziehung gleichmässig umfasst. Wenn das Erziehungs- ideal des Comenius nach seiner subjectiven Seite den Gesichtspunkt der Harmonie aufstellt, So soll es objectiv seine Berechtigung in seiner socialen Brauchbarkeit empfangen. Eine Schule, die seinem Erziehungsidealé nachstrebt, soll sich bewähren als ein universelles Mittel gegen Trägheit, gegen Ungeschicklichkeit, gegen Armut und Unreinlichkeit ¹⁴). In dieser vertieften Auffassung erhält der Gedanke des Comenius, nur Nützliches zu lernen, eine neue Begründung. Was später Pestalozzi wollte, dem armen Volke zu helfen das war auch die Absicht des

Comenius.

3. Die Auswahl der Bildungsstoffe.

Was soll nun unterrichtet werden? Welche Bildungsstoffe entsprechen dem Erziehungs- ideale des Comenius? Wir sahen, dass Comenius den Menschen als einen Mikrokosmus auf- fasste, der die gesamte Welt in sich aufnehmen kann. Mögen dem Menschen tausend Jahre zugestanden werden, in denen er immer etwas hinzulernt, indem er eins aus dem andern begreift, immer wird er noch Raum haben, wohin er Gegenstände aufnimmt; von so unfüll- barer Fassungskraft ist der Geist des Menschen, dass er in seinem Erkennen geradezu das Bild eines Abgrundes darbietet5). Der menschliche Geist kennt keine Grenze des Erkennens; er hat das Bestreben,, alles in sich aufzunehmen und ist fähig, alles zu fassen.

Weil nun jeder Mensch ein solches Bestreben in sich trägt, so ergiebt sich von selbst der didaktische Grundgedanke des Comenius, allen alles zu lehren. Es ist aber ersichtlich, dass aus diesen Auffassungen eine unbeschränkte Freiheit in der Wahl der Bildungsstoffe sich ergeben muss. Es würde an einem Gesichtspunkte fehlen, Wesentliches vom Unwesentlichen

¹) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 38. Opera omnia p. 31. ²) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 39. Opera omnia p. 31. 4) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 85. Opera omnia p. 66. 4) Pansoph. Schule, Übersetzung v. Beeger 147. Opera omnia(scholae pansophicae delineatio) p. 12. ³) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 35. Opera omnia p. 24.