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den einzelnen Tugenden und zur Frömmigkeit gehört in die Methodik der Sittlich-Religiösen. Die Harmonie des Menschen verlangt nicht nur Frieden mit Gott und den Menschen, sondern auch Frieden mit den Dingen. Wenn Allwissenheit zur göttlichen Harmonie gehört, so muss auch der Mensch, damit er ein getreues Abbild des allwissenden Gottes werde. das Beste aus dem ganzen Wissensbereiche sich aneignen. Nichts existiere, sei es im Himmel, auf der Erde, im Wasser oder in der Erde Tiefen, nichts weder im menschlichen Körper, noch in seiner Seele, nichts auch in der heiligen Schrift, in den Gewerben, in der Landwirtschaft, im Staatsleben, in der Kirche, nichts endlich im Leben und Streben und in der Ewigkeit Selbst, dass die jungen Kandidaten nicht wissen müssten¹). Die Welt der Din ge umfasst alles, was durch des Menschen Thätigkeit wird und alles was von freien Stücken durch die innere Kraft der Dinge entsteht, Kunst und Natur gleichmässig ²). Die Universalität des Wissens muss sich verbinden mit der Geschicklichkeit der Handlungen¹). Das theoretische Erziehungs- ideal des Comenius soll sich offenbaren als die innigste Verbindung von Natur und Kunst.
In der Verbindung dieser beiden Begriffe mit dem religiös-sittlichen Erziehungsideal vollzieht sich die Harmonie, die Gottähnlichkeit des Menschen. Vielfach scheint es, als ob Comenius heteronome Principien, z. B. das Nützlichkeitsprincip, als Leitstern seiner päda- gogischen Theorien aufgestellt habe, da der Gedanke, die Jugend solle nicht für die Schule. sondern für das Leben lernen, in seinen Schriften sich oft wiederholt. Das Nützliche bedeutet bei ihm die Verbindung von Kunst und Natur, die Verbindung von Wissen und Können; Wissen ohne Können ist tot). Ohne Können würde auch ein Sachenkenner sich ungeschickt unter den Dingen bewegen, würde in den Handlungen, welche eigene Umsicht verlangen, ungeschickt sein. Nur aus der vollen Beherrschung von Natur und Kunst erwächst der Friede des Geistes mit den Dingen, gestaltet sich die Harmonie.
Eins aber vermissen wir bei unseren Pädagogen, den Begriff der aesthetischen Bildung. Die Universalität des Wissens, das Lechzen der Seele nach der Kenntnis der Sachen steht im Gegensatz zu dem ruhigen, interesselosen Verweilen bei den Dingen, widerspricht der aesthe- tischen Auffassung der Welt. Eine Erziehung nach dem Gesichtspunkte des aesthetischen Verkehrs mit den Dingen liegt ihm fern. Comenius hat übersehen, dass nur in der aesthetischen Bildung ein dauernder Friede mit den Dingen geschlossen werden kann, dass nur in ihr die volle Harmonie erreicht wird. Der Begriff der Kunst in seinem Geiste bezeichnet Regeln für die sichere Verwertung des Wissens, giebt Anleitung zur Erlernung des Lesens, Schreibens und anderer Fertigkeiten. Die Kunst soll die Regeln enthalten, welche die Jugend mit Leichtigkeit zur praktischen Verwertung der Dinge führt).
In der Methodik der Künste, der Comenius ein besonderes Kapitel in der grossen Unterrichtslehre widmet, wird die Bildung des Geschmacks nicht erwähnt. Die Harmonie der Seele, welche in der Erziehung zum sittlich-religiösen und theoretischen Erziehungsideale sich vollzieht, verlangt ihre Ergänzung in einem harmonisch gebildeten Körper. Beide in ihrer
¹) Pansophische Schule(Ubersetzung v. Beeger) S. 146, 147. Opera omnia(schola pansophica) p. 11.
²) Pansophia prodromus(Ubersetzung v. Beeger) S. 102. Opera omnia(pansophici libri delineatio p. 4331.
³) Opera omnia(scholae pansophicae delineatio) p. 11,[Addenda sunt scibilibus Agilia, circa quae exerceantur nostri.]
⁴) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre S. 158). Opera omnia p. 121.


