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Harmonie die Grundlage alles Seins ¹). Gott selbst ist das Urbild aller Harmonie, in ihm ruhen alle Gegensätze: Gott ist die Idee, die Welt der sichtbare Ausdruck derselben. Gott bildet, indem er die Welt schafft, sich selbst, damit das Geschöpf dem Schöpfer ähnlich sei. Da Gott nur Vollkommenes schaffen kann, so kann Besseres überhaupt nicht gedacht oder gefunden werden. Die Welt ist Gottes Abbild, in ihr ist die höchste Zweckmässigkeit, wie in dem Urbilde; das Bild aber muss seinem Schöpfer ähnlich sein. Die Ideen sind erst in Gott, dann in den Geschöpfen, zuletzt in den von den Geschöpfen bewirkten Sachen ²). Weil an den Ideen des göttlichen Geistes alles Teil hat, so hat es auch unter sich Teil, steht im wechselseitigen Verhältnis zu einander. Die Verwandtschaft der Dinge sichert die Möglichkeit des Erkennens, da sie gleich dem Menschen Anteil an den göttlichen Ideen haben.
Wenn Gott, indem er die Welt bildet, sich selbst bildet³), so muss das Durchforschen der Natur als Gottesdienst, als Pflicht bezeichnet werden. Da die Menschen Ideen Gottes sind, und alles Khnliche sich anzieht, so ergeben sich die Beziehungen der Menschen zu einander, die Idee der sittlichen Gemeinschaft erhält in diesen Begründungen ihre Berechtigung. Aus demselben Grunde gibt es nichts, was den Menschen mehr anzöge, als der Brunnquell ⁴), dem er selbst entsprungen ist?). In jedem Menschen, so fährt Comenius fort, lebt das Verlangen nach einem höchsten Gut, welches als Gott bezeichnet werden kann ⁵). Den Begriff des höchsten Gutes hat Comenius Plato entlehnt5). In diesem Verlangen des Menschen nach dem Khnlichen, nach dem Urquell, aus dem er geflossen, begründet Comenius die Religion als die Sehnsucht nach Gott. Aus diesen dreifachen Beziehungen des Menschen zu den Dingen, zu den Menschen und zu Gott ergeben sich drei Aufgaben für die Erziehung des Menschengeschlechts. Der Mensch muss gebildet werden zur Weisheit, das ist zur Kenntnis der Dinge, zur Tugend und Frömmigkeit E). Diese drei Faktoren in ihrer Vereinigung bilden den harmonischen, d. h. gottähnlichen Menschen. Nach diesem Einklange strebt der Mensch, da es offenbar ist, dass er an der Harmonie sein Wohlgefallen hat?). In jedem Menschen, so meint Comenius, liegt das Verlangen, den in ihn gelegten Samen der Bildung, guten Sitte und Frömmigkeit in sich zur Entfaltung zu bringen. Der Mensch kann nicht nur, sondern will verzogen werden, er ist ein Mikrokosmus, der sich bestrebt, die grosse, vor ihm ausgebreitete Welt in sich aufzunehmen. Der Mensch muss zur Tugend erzogen werden. Welchen Inhalt hat das ethische Erziehungsideal des Comenius? Weil er Anteil an den Ideen Gottes hat, so soll der Mensch einsehen, dass er Gottes Stellvertreters) unter den Geschöpfen ist. Das Bewusstsein von der Erhabenheit und Würde der menschlichen Natur soll in allen Gliedern der Menschheit lebendig gemacht werden— in diesen Worten empfängt das ethische
¹) Beeger u. Zoubek S. 104. Opera omnia p. 435, 74.[Fundamentum ergo rerum omnium ut condendarum, sic cognoscendarum Harmonia est.]
²) Beeger u. Leutbecher S. 104. Opera omnia p. 434, 72.
³) Beeger u. Leutbecher S. 104. Opera omnia p. 435, 72.
¹) scaturio.
⁵) Beeger u. Zonbek(Grosse Unterrichtslehre) 41. Opera omnia p. 31.[Imago enim similitudinem infert; simile vero simili gaudere, lex omnium rerum immutabilis.]
6) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 32. Opera omnia p. 20.
*) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) S. 39. Opera omnia p. 31.
s) Beeger u. Zoubek S. 24. Opera omnia p. 19 u. 194.


