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der Muttersprache als Unterrichtssprache. Nur auf den Zusammenhang des Begriffs der Volks- schule mit den pädagogischen Grundgedanken des Comenius soll hier hingewiesen, von einer Darlegung der äusseren Gestaltung mag abgesehen werden. Aus dem Gedanken der geistigen Wiedergeburt folgt, dass die Jugend beiderlei Geschlechts in die öffentliche Schule zu schicken sei. Diesen Gedanken erweitert Comenius dahin, dass die gesamte Jugend zuerst die Volks- schule ¹) zu besuchen habe; sie müsse vom 6. bis 12. Jahre in dem unterrichtet werden, dessen Verwendung sich auf das ganze Leben erstrecke. Vor allen Dingen aber, und das entspricht dem Geiste der komenischen Pädagogik, soll das vernunftbegabte Geschöpf gewöhnt werden, sich nicht durch eine fremde, sondern die eigene Vernunft ²) leiten zu lassen, nicht bloss fremde Meinungen anzunehmen, sondern selbst zu den Wurzeln der Dinge durchzudringen und deren wahres Verhältnis und ihre Benutzung sich anzueignen. Dieser Grundgedanke der comenischen Pädagogik gilt für alle Schulen seines Systems. Nicht in einer fremden, sondern nur in der Muttersprache kann eine solche Selbständigkeit des Denkens erzielt werden. Aus diesem Gedankenkreise des Comenius ergiebt sich die Absicht, für die Ausbildung eines jeden Volkes in seiner Muttersprache eine allgemeingültige Methode festzustellen.
Jeder Geist soll in seiner Sprache den Herren loben können ³). Jeder muss die Mutter- sprache beherrschen, weil nur in ihr selbständig gedacht, weil nur in ihr der Geist im Gebet sich zu Gott erheben kann. Man sieht, dass es Gründe erziehlicher Art, nicht blos Nützlich- keitsgründe waren, die Comenius zur besonderen Betonung des Unterrichts in der Mutter- sprache Veranlassung gegeben haben. Wenn auch in der Didaktik beide Gesichtspunkte nicht streng auseinander gehalten werden, so entspricht es doch dem Gedankenkreise des Comenius, den Schwerpunkt in der erziehlichen Wirkung des Unterrichts zu erblicken. In den angeführten Gedanken liegen verschleiert die Gesichtspunkte geistiger, sittlicher und religiöser Selb-— ständigkeit, wie sie später in der Philosophie des folgenden Jahrhunderts ihre volle Klarheit empfangen haben. Aus diesen Ideen heraus entwickelt Comenius den systematischen Begriff seiner Volksschule und des gemeinsamen Unterrichts der gesamten Jugend!, soweit sie zusammen gebildet werden kann. Auch Gründe socialer Natur beeinflussen Comenius in seinen Anschauungen über die NMuttersprachschule. Ein gemeinsamer Unterricht müsse stattfinden, damit allen, je nach Anlage, der Übertritt in die lateinische Schule möglich sei, nicht nur den Kindern der Reichen und des Adelst); auch dürfe man einer kleineren Anzahl keine Gelegenheit geben, vor den andern wohlgefällig auf sich zu sehen und diese verächtlich zu betrachten ³). Eine Forderung der Neuzeit, die Wahl der Schule und des künftigen Berufs soweit wie möglich hinauszuschieben, der Gedanke einer einheitlichen Bildung für die ersten Schuljahre, wird bereits von ihm erörtert. Es scheine Übereilung zu sein, bei dem sechs- jährigen Kinde bestimmen zu wollen, für welchen Beruf es sich eigne ³), da die besondere Beanlagung erst später zu Tage trete ⁵).
¹) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre) 55. Opera omnia p. 42. 3 Bee?
²) Beeger u. Zoubek S. 68(Grosse Unterrichtslehre). Opera omnia p. 53.... id est, ut rationale animal, homo, non aliena, sed propria ratione duci... ³) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre S. 227). Opera...... p. 172.
⁴) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre S. 216). Opera didactica omnia p. 142. ⁵¹) Beeger u. Zoubek(Grosse Unterrichtslehre S. 217). Opera didactica omnia. 17293.


