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sobald durch die Herstellung des Friedens für Ruhe und Sicherheit gesorgt ist, zum Zwecke der Erhaltung ruhiger Verhältnisse von seinem natürlichen Rechte, dessen Betätigung die Ursache der im Naturzustande herrschenden Feindseligkeiten bildet, abzustehen und sich mit derjenigen Freiheit, welche er selbst anderen zuzugestehen geneigt ist, begnügen müsse; daraus ergibt sich für ihn als weitere Vorschrift der Ver-— nunft der Satz, daß der Vertrag, durch welchen die Menschen den Akt der Verzichtleistung auf ihr natürliches Recht zu Gunsten der Gesamtheit voll- ziehen und zu geordneter Gemeinschaft zusammen-— treten, gehalten werden müsse, da das Gegenteil den Rückfall in den Naturzustand, d. h. den notwendigen Krieg aller gegen alle, zur unvermeidlichen Folge habe(„De cive“ III. 1, S. 37, 38). Aus dem letzteren Gebote deduziert Hobbes sodann alle weiteren Ge— setze(„De cive“ III. 8— 25, S. 44— 56;„Leviathan“ I. 15, S. 145— 150), welche den Verzicht auf die im Naturzustand herrschenden Untugenden der Unbillig- keit, Undankbarkeit, Grausamkeit und andere Laster zum Gegenstand haben.
Mit den Hobbesschen Anschauungen stimmt Montesquieu nicht durchgehends überein. Wie Hobbes führt er die Beseitigung des Naturzustandes und die Herstellung rechtlicher Ordnungen auf die Einwirkung der Naturgesetze der Vernunft zurück, welche er gleichfalls einzig und allein aus der Natur der Menschen herleitet.„Avant toutes ces lois, sont celles de la natureée, ainsi nommées, parce qu'elles dérivent uni- quement de la constitution de notre être“(I. 2, S. 94); ebenso erblickt er ihren ersten und ursprünglichen Zweck in der Selbsterhaltung des Menschen:„L'homme, dans l'état de nature, auroit plutôt la faculté de con- noitre qu'il n'auroit des connoissances. II est clair que ses premières idées ne seroient point des idées spéculatives: il songeroit à la conservation de son


