Aufsatz 
50 Jahrfeier der Oberrealschule zu Grünberg i. H. : 22.-24. Mai 1926 ; Gedenkblätter / von W. Angelberger
Entstehung
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für die vertriebenen Pfarrer kam, ließ die Leute erst recht den Unterschied von einst und jetzt empfinden. Zwar die wichtigeren Außenposten wurden auch jetzt noch mit tüchtigen Anhängern der alten Kirche besetzt. Aber unter denen, die man auf die Dörfer schickte, gab es noch ganz ungebildete Leute, die nicht lesen und schreiben konnten, mit denen man aber zufrieden war, wenn sie sich nur der Autorität der Kirche unter- warfen. Trotzdem man zu solchen Mitteln griff, berichteten die Wetterauer Grafen an den Kaiser: Es sei zwar alles zur Einführung des Interims geschehen, aber der Mangel an geistlichen Personen hindere seine Durchführung. Die wenigen geweihten Priester hätten in der Regel 2 3 Pfarreien zu versehen, während 4 leer stünden. Da sei nichts anderes übrig geblieben, als daß man einige lutherische Prediger gelassen habe. Wenn man von denen jetzt mehr fordere, so würden auch sie ihre Stelle verlassen und der Schaden am Seelenheil des armen Volkes würde noch viel größer werden. So stellte sich von Tag zu Tag mehr heraus, was die Einsichtigen schon lange voraus- gesehen hatten, daß nämlich das Interim undurchführbar war. Selbst der Mainzer Weih- bischof, der geglaubt hatte, das Volk wieder mit einem Schlage zur katholischen Kirche zurückführen zu können, und die evangelischen Prediger vertrieben hatte, erschrak denn doch, als er in der benachbarten Herrschaft Wiesbaden die Kirchen so leer fand. Das hatte er nicht erwartet. Und wenn er auch dem protestantischen Gottesdienst gram war, so war er ihm doch immer noch lieber als keiner. Da ihm die Geistlichen erklärten, sie könnten keine Kirche mehr halten, wenn der Gottesdienst nicht wie früher geschehen dürfte, so gestattete er ihnen schließlich wie früher zu predigen und das Abendmahl auszuteilen, bis ein Konzil darüber entschieden hätte. Und der Kurfürst von Mainz ver- zweifelte in dem Grade an der Möglichkeit, das Volk zurückzugewinnen, daß er selbst an das kaiserliche Hoflager berichtete, auf der rechten Rheinseite sei in seinem Sprengel keine Besserung mehr zu hoffen, man müßte denn die Wider spenstigen mit Feuer und Schwert verfolgen.

Da machte der Kurfürst von Sachsen durch seinen Abfall vom Kaiser allen Schwierig- keiten der Lage ein Ende. UÜberall kehrten seit dem Passauer Vertrag die vertriebenen Pfarrer in ihre früheren Stellen zurück, unter ihnen auch Gompe, der jetzt zum Hof- prediger in Idstein ernannt wurde. Mit den Stiftsherren und Interimspfarrern ging man möglichst glimpflich um, sie behielten ihre Pfründen. Die katholischen Pfarrer auf dem Lande aber wurden zur Beobachtung der evangelischen Kirchenordnung ermahnt. All- mählich verlor sich der katholische Kultus völlig in der Herrschaft Wiesbaden. Die letzte Pfarrei, welche in ihr mit einem katholischen Pfarrer besetzt wurde, war Mosbach. Hier hatte der Abt von Eberbach das Präsentationsrecht, während die Bürgerschaft schon längst evangelisch gesinnt war. 1560 setzte er endlich auf Verwendung des Grafen einen Pfarrer Augsburgischer Konfession ein, und dies schöne Verhältnis ist bis zur Aufhebung des Klosters geblieben als sprechender Beweis dafür, daß die beiden Konfessionen sich hinfort nicht mehr mit List und Gewalt bekämpfen, sondern jede die andere auf ihre Weise Gott dienen lassen wollte.

23. Wilhelm von Oranien. Unter den Nassauern, welche sich um die evangelische Gesamt-Kirche die höchsten Verdienste erworben haben, kann keiner mit Wilhelm von Oranien, dem Sohne Wilhelms des Reichen von Nassau-Dillenburg, verglichen werden. Darum hat er, als einer der