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Rauenthal gebürtig, hatte er zuerst die Schule in Mainz besucht und war dann seines ausgezeichneten Talentes wegen mit einer guten Pfründe in Erfurt bedacht worden, damit er sich dort dem Studium der Theologie weiter widmen könne. Er machte sich auch auf den Weg dahin. Als er aber in Mainz ein Frachtschiff bestieg, um damit nach Frankfurt zu fahren, traf er mit einem Studenten zusammen, der auch auf Universität gehen wollte. Sie kommen ins Disputieren über die theologischen Tagesfragen, und unser Gompe wird von der Wahrheit der lutherischen Lehre so mächtig ergriffen, daß er die Reise nach Erfurt und die dortige Pfründe aufgibt und sich dafür nach Marburg wendet. Von hier begab er sich nach Wittenberg und hörte da neben anderen Lehrern vor allem Luther und Melanchthon. Nach Vollendung seiner Studien eilte er heim zu seinem Vater nach Rauenthal, wurde aber da mit großer Ungnade abgewiesen. Dann hielt er in Wiesbaden seine Probepredigt, wurde ordiniert und erhielt seine erste An— stellung in Erbenheim. Von einem solchen Mann war allerdings ein schwächliches Nachgeben nicht zu erwarten.—
Inzwischen betrieb aber die katholische Partei die Durchführung des Interims mit allem Nachdruck. Sämtliche Wetterauer Grafen wurden aufgefordert, wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurückzukehren. Diese waren aber keines- wegs gesonnen, auch noch über die Forderungen des Interims hinauszugehen. Da- gegen mußten sie sich die von den Erzbischöfen von Mainz und Trier angeordneten Synoden und Kirchenvisitationen gefallen lassen. Zuerst wurden diejenigen Kirchen und Klöster besucht, in denen am wenigsten Abweichungen von der katholischen Lehre zu erwarten waren, nämlich im Main- und Rheingau. Dann kam auch die Reihe an Wiesbaden. Hier fing der Weihbischof Michael Helding, Bischof von Sidon, damit an, die von den Ketzern entweihten Kirchen und Altäre wieder einzuweihen, die Messe zu lesen und in einer geharnischten Predigt die Rückkehr zur katholischen Kirche anzuempfehlen. Jetzt mußte auch Gompe weichen. Er irrte in Straßburg, Heidelberg, Wittenberg, Freienwalde in der Mark, umher, bis die Prüfungszeit vorüber war. Natürlich fanden sich auch gar manche, denen die weltlichen Interessen höher standen als die geistlichen, wie es denn in einer alten Nachricht ausdrücklich heißt:»Das Interim hat in der Herr- schaft Wiesbaden viele Mamelucken gemacht«. Ganz eigentümlich gestalteten sich die Verhältnisse in Idstein. Hier ließ der Graf Philipp, um die Visitatoren zufrieden zu stellen, die Katholischen Zeremonien von den Kanonikern des dortigen Stiftes abhalten, dazwischen ließ er an Sonn- und Festtagen seinen Hofkaplan im Chorhemd die Gemeinde aus der lutherischen Bibel erbauen. In dessen Bestallungsurkunde wird ausdrücklich hervorgehoben, daß er»nit verbunden sein soll, das Abendmahl unter einerlei Gestalt auszuteilen, das Sakrament des Leibes Christi herumzutragen und mitzugehen, nit Meß zu halten u. s. w.« Im Dillenburgischen wurde die Visitation zuerst in Herborn versucht, Von 10 Pfarrern erklärten wieder 7, das Interim in seinem vollen Umfang nicht annehmen zu können. Sie erhielten die Weisung, fernerhin von ihrem Dienste abzustehen. Wer noch nicht ordiniert sei, d. h. nach katholischem Ritus, der solle sich jetzt ordinieren lassen oder dem geistlichen Stande entsagen. Sie könnten ja als nicht Ordinierte in das Schulamt eintreten.
So war denn wieder eine nicht geringe Anzahl von Gemeinden verwaist; denn es war unmöglich, sofort Ersatz zu beschaffen. Manche Kirchspiele blieben über ein halbes Jahr ohne alle geistliche Pflege. Die Kinder blieben ungetauft, das Abendmahl wurde nicht mehr gereicht, keine Glocke lud mehr zum Gottesdienst. Und was dann als Ersatz


