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päpstlicher Anordnung die Messe zu lesen. Sie selbst könnten sich aber an Kirchen- gebräuchen, die wider Gottes Wort wären, nicht beteiligen, sondern würden sich sogleich nach gehaltener Predigt aus der Kirche entfernen. Ihr Amt würden sie erst dann auf- geben, wenn sie die Obrigkeit nicht mehr dulden wolle. Für diesen Fall bäten sie um Schutz, bis sie von hinnen scheiden und ziehen möchten, wohin sie Gott geleiten werde. In der Tat berichtete der Graf später an den Erzbischof, daß seine Prediger fast alle ihre Stellen aufgegeben hätten. Im Weilburgischen erklärten sich die Kanoniker des Stifts, die sich der Reformation noch nicht angeschlossen hatten, für das Interim, dagegen wiesen es von den 17 Pfarrern 10 entschieden zurück. Mit ihrem jugendlichen Super- intendenten Goltwurm an der Spitze, erklärten sie, sie könnten es nicht annehmen, denn das hieße,»den Sohn Gottes mit Füßen treten«, Auch Goltwurm mußte mit einer Reihe von Pfarrern das Land verlassen.
Khnlich erging es in der Grafschaft Idstein-Wiesbaden. Aus einem noch erhaltenen „Bedenken etlicher Praedikanten und Pfarrherrn in der Herrschaft Wiesbaden-Idstein der Reformation halber, die Röm. Kaiserl. Majestät zu Augsburg hat publicieren lassen«, ersehen wir die Seelenöte, in welche die armen Leute versetzt wurden.
Wenn von einem jeden Pfarrer verlangt werde, daß er sich examinieren lasse, so seien sie bereit, sich dieser Forderung zu unterwerfen, wenn sie christlich gehandhabt werde. Gewöhnlich aber habe sie den Mangel, daß diejenigen, welche ordentlich lehrten, als der christlichen Lehre zuwider ange- sehen würden. Der strengeren Einhaltung der kanonischen Stunden zum Gebet würden sie sich gern unterziehen, wenn sie Zeit dafür hätten. In der Regel aber hätten sie mit ihrem Studium und mit Darreichung der Sakramente so viel zu tun, daß sie sich bei ihrer Arbeit nicht auch noch mit solch unnötiger Bürde beschweren könnten. Der lateinischen Sprache bei der Messe würden sie sich gern bedienen, wenn nur das Volk Latein verstünde. Da aber das Volk deutsch rede, müsse auch der Gottesdienst deutsch bleiben. Mit dem Meßkanon, der vieles Dunkle und dem reinen Evangelium Widersprechende enthalte, wollten sie erst recht verschont sein. Sie bäten dringend, sie bei den klaren Worten des heiligen Abendmahls zu lassen und die Gewissen nicht zu bestricken. Im übrigen wollten sie von den Zeremonien so viel als möglich vornehmen. Die Wiedereinführung des Segnens von Kräutern, Kerzen, Palmen, Lichtern u. dgl., sowie das Herumtragen und Ausstellen des Sakraments könnten sie aber nicht mitmachen Denn Christus habe ausdrücklich gesagt: Nehmet hin und esset. aber nicht: Tragt es herum und stellt es hin! Verachte man eines Menschen Testament nicht, und tue nichts hinzu, so zieme es sich noch weniger, an der Einsetzung Christi etwas zu ändern. Zum Schluß erklären die Pfarrer, bei ihrem Gebrauch bleiben zu wollen, bis sie durch heilige göttliche Schrift eines besseren belehrt würden. Einen solchen Unterricht wollten sie nicht freventlich oder stolz verachten, sondern demütig mit aller schuldigen Dankbarkeit annehmen. Sollten sie aber, was Gott verhüte, bei ihren Kirchen nicht bleiben können, so bäten sie den Grafen um Schutz und freien Abzug.»Gott, der Allmächtige verleihe uns durch Jesum Christum«, so schließt die Denkschrift,»daß sein heiliges Evangelium allenthalben recht erkannt und gepredigt werde, Gott zu Lob, der ganzen Christenheit zu Fried, Einigkeit und Seligkeit! Amens.
Die Haltung dieser Männer, die zwar bereit sind, sich in die böse Zeit zu schicken, so weit es ihnen immer möglich scheiut, die aber auch entschlossen sind, lieber zu hungern und mit Weib und Kind ins Elend zu ziehen, als ihrer Überzeugung das Ge- ringste zu vergeben, ist um so bemerkenswerter, als gerade in unserer Grafschaft keine aus der Ferne berufenen Reformatoren gewirkt hatten, der Graf vielmehr die Dinge völlig frei sich hatte entwickeln lassen und dem Zuge der Zeit mehr gefolgt war, als daß er ihr vorangegangen wäre. Der bedeutendste unter den protestierenden Pfarrern war ein Nicolaus Gompe(= Kompfe) aus Erbenheim, dessen Lebensgang uns zugleich einen Einblick gewährt in die Art und Weise, wie sich die neue Lehre verbreitete. Aus


