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Heiligung verehrt werden. Alle abergläubischen Weinhnen von Palmen, Salz, Wasser, Feuer, Lichtern sollen unterbleiben. Dagegen soll den Pfarrern in Zukunft die Ehe erlaubt sein, denn das Coelibat-Gebot nenne Paulus eine Teufelslehre.»Jegliche Kirche soll eine grobe lateinische und deutsche Bibel haben. Es ist schon auf dem Konzil zu Nicäa verordnet, daß jeder Christ eine in seinem Hause haben soll.() Wie schändlich also, daß bisher mancher Geistliche keine gehabt hat!« Endlich werden noch Bestimmungen hinzugefügt über Prüfungen, Synoden und Visitationen der Geistlichen.
Die beste Stütze des Grafen bei der Durchführung der Reform war der 1538 zum Hofprediger und Superintendenten ernannte Mag. Sarcerius aus Lübeck, ein Schüler Luthers und Melanchthons. Durch seine Kirchenvisitationen, durch die treffliche Leitung der Synoden, seine Sorge um das Schulwesen und die höheren Studien, durch den Ein— fluß seiner ganzen bedeutenden D'ersönlichkeit hat er sich um die Kirche unseres Landes bleibende Verdienste erworben.
h. In der Grafschaft Wiesbaden-Idstein hatten sich im Laufe der Jahre recht unerquickliche Zustände herausgebildet. Da die Reformation von oben her nicht be— günstigt wurde, so fingen die Geistlichen auf eigne Faust an zu verbessern. Ein großer Teil in Stadt und Dorf hörte auf, die Messe zu lesen, teilte das Abendmahl unter beiderlei Gestalt aus, predigte gegen Papst und Ablaß und verheiratete sich. An anderen Orten wieder hielten die Geistlichen noch an der alten Kirche fest. Das tat vorläufig auch noch der Graf Philipp(Altherr), der vor allen Gewaltmaßregeln in Sachen der Religion zurück- scheute. Auch nachdem er zur Reformation übergetreten war, erklärte er, ganz im Sinne Luthers, nicht darin einwilligen zu können, daß die Messen verboten und abgestellt würden. Sonst möchte er es wohl leiden, das Evangelium zu verkündigen und die Sakramente nach Christi Einsetzung zu reichen denen, die es von selbst begehrten. Nach langem Schwanken und vergeblichem Warten auf eine Reformation von Seiten der Kirche sah er ein, daß es so nicht weiter gehen könne und daß auch bei den Anhängern der neuen Lehre in seinem Lande»eine einmütige christliche Gleichheit« hergestellt werden müsse. Am 1. Januar 1543 berief er den Mag. Wolff Denthener von Wemàing, genannt Evander, zum ersten evangelischen Pfarrer von Wiesbaden und einen Lehrer an die neu zu errichtende Lateinschule, aus der unser heutiges Gymnasium hervor-— gegangen ist.
Wie sehr sich inzwischen in Idstein die Reformation eingebürgert hatte, geht aus einer Verordnung des Grafen aus dem Jahre 1546 hervor. Damals wollte am Fronleich- namstage die altgläubigen Partei noch eine Prozession veranstalten; da aber der Graf Unruhen befürchtete, sah er sich genötigt,»dieselbige bei den jetzigen geschwinden Zeitläuften« zu verbieten.
i. In jenen Jahren kam die Lehre Luthers auch in einigen kleineren Gebieten zur Herrschaft, wie in Hadamar, Beilstein und Wied-Runkel. Am 3o. Juli 1543 weilte auch Melanchthon selbst auf dem Schloß in Runkel als Gast des Grafen Johannes von Wied, eines Neffen jenes bekannten Kölner Erabischofs Hermann von Wied, der sich noch im hohen Alter zur evangelischen Lehre bekannte, aber darüber sein Erz— bistum verlor.
k. Im Diezischen gelangte die Reformation erst nach Luthers Tod zur Ein- führung. Auch jetzt noch ging man recht vorsichtig zu Werk, weil ein guter Teil des Gebiets Gemeinbesitz der Grafen von Diez und des Kurfürsten von Trier war, der natür- lich der Ausbreitung der Reformation mancherlei Hindernisse in den Weg legte.
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