7— großen procession(wie ihrs nennt) euch das wort Gottes verkündigen, darin ich deun gern gewilligt hab und ganz geneigtes sinns, worin mir möglich, euch zu dienen.«
„Und wiewohl etliche, denen ihr bauch ihr Gott ist und die verderbnis das end, große sorgen hatten, ich würde mit der sprache herausfahren und von den zehnteH sagen, deren sie leider übel brauchen, wie denn am oben genannten ort auch gethan hat der christlichen wahrheit herz- haftiger retter D. Jo. Wessalia(S. I, S. 42), das sie denn noch im magen schmerzt. Jedoch habe ich dazumal die ihnen unliebe materie lassen beruhen und nur geredet von den vornehmsten punkten unseres glaubens, was Christus sei, wozu er geben sei und worin ein christlich leben bestehe, nach dem evangelio Johannis am VI: Mein fleisch ist wahrlich eine speise und mein blut wahrlich ein trank. Und so ihr meine rede dazumal vermerkt und behalten habt, wie ich guter zuversicht bin, werdet ihr euch mit solchem kreuzgang undprocession freilich nicht mehr bemühen oder beladen, wie ihr denn alleweg im siebenten jahr zuthun alte gewohnheit gehabt habt. Das reich gottes kommt nicht mit äußerlichen gebehrden, man wird auch nicht sagen: siehe hier oder dort ist es; das reich gottes ist inwendig in euch, Luc. 17. Der gottgefällige gottesdienst ist, seinem Wort glauben und vertrauen, ihn zu loben und zu lieben und um seinetwillen jedermann gutes zu thun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden. Das ist das größte und fürnehmste gebot, das übertrifft allen kreuzgang, opfer und brandopfer...« Dann fährt er fort:
»Wie oft habe ich mich eurethalben erinnert, lieben frommen Rinckgauwer, dieweil ich ver- merkt eurer herzen lust zum gotteswort und Suffgang des Evangelii, ihr aber mit so wenig rechtschaffenen Hirten versehen, die euch aus der göttlichen schrift lehrten, gott erkennen, lieben und fürchten und den er gesandt hat Jesum Christum, aber viel unfromm, gottlos, seel- los, herzlos und lehrlos priester habt, denen karst und hacke besser anstünd, als chorrock und chorkappe. Die den Herrn Jesum täglich töten und ihre eigenen propheten verfolgen und in die thürme werfen, ei so greift es selber an, habt das fug und recht vor Gott und aller ehrbarkeit und verseht euch selber mit tapferen christlichen predikanten und Pfarrherren, so unsträflich sind und lehrhaftig, wie sie Paulus beschreibt 1. Tim. 3„ Tit. I.
Allerdings meint er selbst, es werde ihnen dann wohl schwer fallen, den bisherigen Zehnten noch weiter an die herz- und lehrlosen Priester zu zahlen, aber er rät ihnen doch, sich nicht die Hände zu verbrennen und ihnen als ihren Vorgesetzten zu geben, was sie vor Gott schuldig seien und wozu sie die Notwendigkeit der Welt, d. h. die drohende Strafe, treiben soll. Doch könnten sie den Zehnten mit einer Protestation übergeben und diejenigen, welche ihn unbillig forderten, bitten, ihn denen zu überlassen, welchen er von Rechts wegen zustehe. Der Brief schließt mit dem Wunsch, daß man alle zeitlichen Dinge so behandle, daß sie uns an den göttlichen, ewigen nicht hindern.
Trotz der Warnung Hedios, sich nicht die Finger zu verbrennen, schlossen sich indessen die Rheingauer 1525 dem Bauernaufstande an und suchten sich mit Gewalt die Freigebung der Pfarrwahl, die Anerkennung ihrer alten Freiheiten und die Herab- minderung der Abgaben zu erzwingen. Wenn sie bei ihrem Auszug auf den Wachholder am 2. Mai auch keinen Tropfen Blut vergossen, keine Burg und kein Kloster zerstört haben, so ging es dort doch toll genug zu. Unter anderem wurde das»große Faß« des Klosters Eberbach völlig ausgetrunken. Am 18. Mai erschien der Statthalter des Mainzer Kurfürsten Fürstbischof Wilhelm von Hohenstein mit großem Gefolge persönlich auf dem Wachholder und bewilligte den Rheingauern sämtliche Artikel, die sich allerdings durch eine gewisse Mäßigung auszeichneten, die vielleicht auf Rechnung des wieder herbeigeeilten Hedio zu setzen ist. Nach der blutigen Niederlage der Bauern bei Frankenhausen mußten sich aber auch die Rheingauer wieder bedingungslos unterwerfen. Sie verloren sogar den letzten Rest ihrer altgermanischen Freiheit, indem sie ihre Waften ausliefern und dem Erzbischof versprechen mußten, ohne seine Einwilligung keine mehr zu tragen. Mit der evangelischen Lehre aber war es natürlich auch vorbei.


