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in Gott vertraut.« Und er ist dieser Gesinnung treu geblieben. Wohl beklagt er in der Rechtfertigungsschrift, die er an alle Grafen und Edeln Deutschlands richtet, sein hartes Geschick. Aber er erklärt weiter:»Ich habe mir zwar durch mein heftiges Auf- treten gegen den Papst und meine Anhänglichkeit an das Evangelium den unversöhn- lichen Haß der Geistlichkeit zugezogen. Und doch will ich auch jetzt noch, wenn man es verlangt, ohne alles Geleite nach Nürnberg gehen und daselbst öffentlich vor der Reichsversammlung beweisen, daß der Papst mit seinem ganzen geistlichen Rate nichts ist als lauter Lug und Trug. Und sollte ich der Unwahrheit überwiesen werden, so will ich mich lebendig schinden und vierteilen lassen.« Er tröstet sich damit, daß er um der Gerechtigkeit willen verfolgt werde, freilich, wie wir gehört haben, nicht mit vollem Recht. Mit seinen»hartherzigen und ungerechten« Gegunern hat er eher Mitleid, als daß er Rache für sie begehrte. Erst 1541 konnte der Vielgeprüfte durch die Vermittlung Butzers wieder in die Burg seiner Väter zurückkehren, in der er im Jahre 1540 gestorben ist. Er ist in der Burgkapelle beigesetzt. Die dankbaren Cron- berger haben ihm im Angesicht seiner Burg ein Denkmal gesetzt.— Sechs Jahre vorher war sein katholisch gebliebener Oheim Walter von Cronberg als Hochmeister des Deutschritterordens in Mergentheim gestorben, nachdem er vergeblich versucht hatte, dem Orden die seit der Gründung des Herzogtums Preußen verlorene Bedeutung zurück- zugewinnen.
c. In der benachbarten Grafschaft Königstein war der seit 1522 als Dichter und Humanist in Oberursel lebende Erasmus Alberus der erste Lehrer des neuen Glaubens. Er kam aus Büdingen dahin, eröffnete eine Lateinschule und wurde bald der Mittelpunkt eines»Bundes evangelischer Brüder.« 1524 setzte dieser Bund durch, daß die Gemeindeden vom Bartholomäusstift in Frankfurt erhobenen Zehnten ver- weigerte. Schon im Jahre darauf wurde der erste evangelische Dfarrer gewählt. Als 1540 die Augsburger Confession in allen Orten der Grafschaft eingeführt wurde, hatte die neue Lehre in Oberursel bereits solche Wurzeln geschlagen, daß sich 1542 die 235 dort ansässigen Familien mit Ausnahme von 3 jüdischen ausnahmslos zu ihr bekannten.
d. Auch im Rheingau hatten die reformatorischen Gedanken schon früh Eingang gefunden, was bei den kirchlichen Verhältnissen der Landschaft leicht erklärlich ist. Fanden sich doch selbst nach katholischen Zeugnissen Leute unter den Pfarrern, die keine Ahnung davon hatten, was Concilien und Sakramente, was die Gebote der Kirche und der Cölibat seien. Da die Bewohner bei ihren eigenen Seelsorgern keine rechte Predigt zu hören bekamen, wandten sie sich an den gelehrten Hofprediger ihres Landesherrn Dr. Caspar Hedio, von dem man wußte, daß er in Mainz im Sinne Luthers wirkte. Auf ihre Einladung hin predigte dieser der Landschaft im Jahre 1523»vam Tage der großen Prozession« nach den Windeln Christi in Aachen auf der Wachholderheide bei Erbach über die Hauptpunkte des christlichen Glaubens nach Joh. 6, 55. Auch von Straßburg aus, wohin er sich im Herbst desselben Jahres begeben hatte, wirkte er noch unter den Rheingauern, indem er ihnen 1524 einen tröstenden und ermahnenden Sendbrief nebst zwei im Münster gehaltenen Predigten über den Zehnten schickte. Der Brief begann:
»Dem christlichen heuflein im Rinckgaw, Mentzer bistumb, D. Caspar Hedio, Predicant des hohen Stifft Straßburg, wünscht Gnad und fried von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesu Christo Amen.«
„»Lieben freund und brüder in Christo! Es ist ein jahr gewesen in vergangenen summer, daß ihr mich angesprochen, ich wollte uff der Weckholterheyd bei Erpach, am tage des


