Aufsatz 
Zur Erklärung des Namens Magdeburg / von Oberlehrer Dr. Elschner
Entstehung
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lassen aufsetzen, einen kranz auf den kopf, anzudeuten, das vor diesen zur Zeit Caroli V. die stadt jahr und tag belagert gewesen und die jungfraw dannoch ihr kräntzlein aufen kopf be- halten; den andern krantz hielte sie in der linken hand fur die brust, das sie der herzog von Friedland auch belagert a. Ch. 1629; aber dannoch hat sie ihr kräntzlein behalten. Den dritten krantz zeigete sie mit dem rechten Arm ausgestreckt in der höhe über sich, als wolte sie anzeigen: Trutzl wer ist so keck, der das kräntzle darf holen? aber der alte breutigam Tilli hats gewagt und geholet..... Diese jungfraw sahe man nochmals im graben liegen, welche der obriste Blancken durch seine soldaten lassen aufnehmen. Auf die auſftallende Ahnlichkeit, die das Magdeburger Wappen mit dem(alten) Hildesheimer hat, machte schon Westphal(a. o. O.) aufmerksam, und Meyer(Abhandlung über Roland, Bremen 1868, S. 16 und derselbeÜber die Rosengärten, Verhandlungen der deutschen Philologen und Schulmänner, 1873, S. 194 ff.) stellt die drei Wappen von Magdeburg, Hildesheim und Erkelenz zusammen und glaubt, daſs die Khnlichkeit ¹) der drei von der Verehrung einer und derselben Göttin in den drei Städten herrührt, die bloſs verschiedene Namen geführt habe.

Mit Bezugnahme auf diese Ansicht sehen wir uns jetzt vor der Alternative: entweder ist die Jungfrau im Wappen als Symbol der Jungfräulichkeit der Stadt gewählt, und der Kranz ist ihr erst später asf dem zweitältesten Siegel beigegeben ²) oder die Magd ist eine Erinnerung an eine ehemals hier verehrte jungfräuliche Göttin. Somit ist der Versuch, die Bedeutung der Magd und des Kranzes aufzuhellen, erst bei der Erörterung der 2. von uns oben aufgestellten Erklärungsmöglichkeit: M. d. h. die Burg, worin die(eine) Jungfrau verehrt wurde, also bei der Entscheidung der Frage: wer ist denn die Jungfrau? zu machen.

Der 2. Einwand: Warum sind nicht andere Burgen mit einem Namen belegt worden, der auch auf ihre Jungfräulichkeit hinwies? ist auch nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Es giebt allerdings nur folgende Ortsnamen, in denen möglicherweise eine Hindeutung auf das Magdtum des befestigten Ortes vorliegt. Die Magdeburg¹) bei Düsseldortf ist wohl nur als scherzhafte Bezeichnung aufzufassen, wie etwa das Mädelsberg bei Abraham a Santa Clara, der in Judas dem Erzschelm 1, 142 sagt:Was für ein Landsmann der verlorene Sohn gewest, ist eigentlich nit bekannt, ich glaube wohl aber ein Irrländer. Wie er geheilsen hat ist nit bewuſst; ich glaub aber Malefacius. Von was für einem Ort er sich geschrieben hab, allweil er ein Edelmaun, hat man noch nit erfahren: ich glaube aber wohl von Mädels- berg und Frauhofen. Auf deutschem Sprachgebiete finden wir noch folgende Namen, die in Betracht kommen könnten: Magatha villa, aus d. 10. Jahrh. bezeugt. Först. O. N. 1042 sagt dazu: vielleicht(doch ist das nicht sicher) Wüstung Megedefeld zwischen Gestorf und Bennigsen. Magadunensis curtis, 9. Jahrh.; vielleicht Magdenau im Canton St. Gallen.

¹) Alle 3 führen eine Jungfrau mit einer Rose, sagt Meyer. Das stimmt für das Magdeburger nicht; aller- dings ist der Kranz höchst wahrscheinlich ein Rosenkranz gewesen, was aus dem zweitältesten Wappen zu ersehen ist. Der Lilienstengel, den die Magd in der Linken trägt, spricht auch für unsere Annahme.

²) Wann die Sitte, den Kranz als Sinnbild der Jungfräulichkeit eines Mädchens zu betrachten und zu tragen, aufgekommen, lälst sich selbst nach den besten Ausführungen, die wir darüber haben, nämlich Hildebrands Artikel im Deutsch. Wörtb. unter Kranz und Krone, schwer entscheiden. Doch scheint sie uralt zu sein. Uebrigens ist es nicht ganz ausgeschlossen, daſs die Magd im zweitältesten Siegel doch auch einen Kranz auf dem Haupte trägt; uns will es so bedünken.

³) Wie uns der verstorbene Bibliothekar der Stadt Magdeburg gelegentlich mitteilte, giebt es auch eine Magdeburg in Baden oder Württemberg. Wir haben den Ort aber nicht zu ermitteln vermocht.