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im Deutschen Wörterbuche unter Garten II, 2/3 sagt:„Da jenes-gart(in Rosengarten und Heimgarten), als Gerichtsstätte wie als Opferstätte, Verfolgten zugleich fride gab(als asylon), begreift sich vielleicht daraus das sonst dunkle-gart in Frauennamen und nur in solchen, denn auch bei Frauen fand der Verfolgte, nötigenfalls von ihrem Mantel gedeckt, Schutz und Friede(nach Grimm, Rechtsalt. 892, Gudrun 1506, 1518), und in Fridegart, Fridugarta er- scheint das noch deurlich ausgedrückt, während Hiltigart, d. h. Friedgart im Kampfe z. B. eben auf Gudrun paſste, Madalgart an den Begriff der Dingstätte anknüpft, Alahgart aber ausdrücklich den Begriff des Heiligtums hinzufügt, gewils zuerst der Name von Priesterinnen, eigentlich Tempelhof¹) als hieron asylon; aber die Priesterin, die Frau nahm den heiligen Kreis mit sich wohin sie kam, das lehren eben die Namen“. KAhnlich spricht Hild. davon in d. Materialien z. Gesch. des deutschen Volksliedes ed. Berlit, Leipz. Teubner 1900 S. 129, indem er an ein mit seinen Wurzeln vielleicht in die Urzeit zurückreichendes Lied: Rosengarten anknüpft.
Für die Metapher Jungfrau= Burg, und umgekehrt stehen uns nicht so hoch hinaufreichende Zeugnisse zu Gebote. Wir sind jedoch der Meinung, daſs, wenn die Trope Frau= Burg gegeben war, von ihr bis zu der: Magd= Burg, nur ein geringer Schritt war, um so mehr als beiden Begriffen, aus gewissem Grunde, in besonderer Weise als tertium comparationis die Vorstellung des Umhegten, Umzäunten, Verschlossenen, Abgesperrten, Abgeschlossenen zu Grunde liegt, wie Schloſs= Burg ²)) Zunächst Magd= Burg, Garten: Robert Grosseteste(anglonormannischer Dichter des 13. Jahrhs., Bischof von Lincoln) schrieb ein Gedicht Castel d'amour. Ten Brink(Gesch. d. engl. Litt. 1, 444) sagt dazu„das c. d'a. ist das gremium der heil. Jungfrau.“ ³). Im altfrz. Gedicht des Chrestien v. Troyes, Cliges(ed. Förster, 3368) heiſst es: qu'il et la forteresse prise(bedeutet: Besitz der pucelle bis in die letzten Consequenzen) Scheler: Trouveères belges, Brüssel 1879, II, 44 poi vaut chasteaus qu'on prent par un assaut(bildl. für dame, pucelle). Wolf: Afrz. Volksl. S. 69: Cy j'ay assailly la forteresche, Elle est tant playne de noblesse Tout mon cueur est emprisonné(hier abstrakter). In der Crône 11660: daz ein burce wird gewunnen; vgl. dazu A. Schultz, D. höf. L. im Mit. 1, 577 Erstürmung der Minneburg. Ditfurth, 52 ungedruckte Ball. aus d 16., 17. u. 18. Jahrh. Stuttgart 1874, S. 14 eine Liebeswerbung als Belagerung einer Festung angesehen und durchgeführt.— Der damit in Verbindung stehende Begriff Magd= Garten spielt in der frz. Volkspoesie eine ähnl. Rolle wie in der unseren, s. Hild.-Berlit, S. 129. Im Frz. z. B. Wolf, A. o. O. 110: droit au jardin d'amour s'en va. Auch Maria rosiers, vergiers genannt: Wackern. Afrz. Lieder 45. Das Correlat dazu: Burg, Schlols, Festung= Jungfrau: Zunächst 2 Kinderspiele— und in solchen haben wir ja meistens einen Niederschlag uralter Vorstellungen vor uns: Rochholz, Alemann. Kinderspiel und Kinderl. aus d. Schweiz, Leipzig,
¹) In der Vie de Ste Euphrosyne(ed. Paul Meyer, Recueil d'anc. tex. II, 336) ist diese Heilige Temple de sainteté genannt. Wenzig, Slav. Volksl. 104: die Mutter ein Himmelsgärtlein war.— Man möchte glauben, unserem Frauenzimmer läge eine ähnl. Vorstellung zu Grunde, dem ist jedoch nicht so, sondern es ist ein Kollektivbegriff, urspr. der weibl. Hofstaat; eine interessante Parallele dazu ist die im Beovulf 214 erwähnte maegburg= cognatio.
2²) Dazu vgl. man im Deutsch. Wörterb. verschied. mit-schlofs zusammengesetzte Wörter, z. B. Jungfrauen-, und man wird die Grundbedeutung leicht erkennen.
¹) Wie interessant der Name eines Ortes(oder eines Schlosses) bei Rennes in Frankreich: Chateaugiron; denn auch giron= gremium. Vielleicht gehört auch das Castel Divina Amore bei Rom hierher.


