Aufsatz 
Zur Erklärung des Namens Magdeburg / von Oberlehrer Dr. Elschner
Entstehung
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4. Daſs Grimm(ib. zur mhd. Syntax S. 597) abermals neben hartes-burc, haukes-burc aus Stellen bei den Minnesingern Megdeburg anführt unter Verweisung auf ahd. Magadi-burg (Trierer Gl. 11. Jahrh.), also lauter Genitivbildungen. Natürlich kann das Mhd. nicht für das Altsächs. malsgebend sein, aber es beweist dies doch, dals Grimm sich den Namen M. im Mhd. als entsprechend der für das Ahd. möglicherweise anzusetzenden Form fortentwickelt gedacht hat.

Daſs, wie Jütting sagt, Gr. weit davon entfernt sei, die ihm wohlbekannte ahd. oder altsächs. Form Magadaburg(u. also auch Magadoburg) für eine genitivische Composition zu halten, kann man hiernach nicht zugeben, namentlich wenn man seine Feststellungen über das frühzeitige Erlöschen des Bindevokals besonders im Altsächs.(S. Gramm. III, 421 wago-strom, lido-cosp) berücksichtigt. Zu beachten ist auch, daſs die wenigen uns überlieferten gerade mit magad gebildeten ahd. Compositionen keinen Bindevokal haben: magadburti, magadgurtila, magadheit, magadlih.(Graff, Ahd. Sprachschatz II, 631).

Diese Ergebnisse unserer Nachprüfung zeigen hinlänglich, dals unser Fall weit komplicierter ist als es nach Jüttings und Hülſses Darstellung scheint, und daſs daher bei den Deutungsversuchen mehrere Möglichkeiten ins Auge zu fassen sind.

Wir haben also auf Grund der ältesten Formen des Namens und gestützt auf Grimms Auffassung von dem Wesen der Composition und ihren formellen Bildungsgesetzen folgende Erklärungsmöglichkeiten vor uns:

1. Eigentliche Zusammensetzung:

a) Magadaburg d. h. die Jungfrauburg, die Burg, die einer Magd, d. i. Jungfrau, gleicht oder ähnelt, die als Jungfrau betrachtet wird, oder zu betrachten ist oder gilt (gleich den alten Übersetzungen urbs virginea, virgo urbs), also mit metaphorischem Sinne.

Dies entspricht der Grimm'schen Theorie von dem appositionellen Verhältnisse zwischen Grundwort und Bestimmungswort;(S. Grimm, Gr. III, 414 417), denn dies Verhältnis könne eine Vergleichung in sich schliefsen:Das erste Wort enthält die Sache, der das zweite gleicht: golt-vincho, sun-chéver. Es könne besonders zwischen verwandten Wörtern obwalten(ombiht-scealc), und dann verstärke das erste den Be- griff des zweiten oder es lasse sich das erste adjektivisch deuten ¹).

b) Die Burg, worin die oder eine magad(magath) verehrt wird, die Burg, die der Magd oder einer Magd geweiht ist. Diesen Fall hat Jütting im Auge, nur daſs er trotz der Annahme, Magdeburg sei eigentliche Composition, übersetzt:Magdeburg d. h. die Burg der Magd d. i. der Jungfrau. Für die Deutung würde das freilich auf eins hinauslaufen.

2. Uneigentliche Composition, wenn man Magadoburg, Magedoburg als älteste Form zu Grunde legt:

Magdeburg= der Mägde Burg. Wenn Jütting diese-Deutung verwirft mit dem

Hinweis, dals ja im ahd. wie im Altsächs. von magad der Gen. Plur. heilsen müsse:

magadjô oder magadeo, welche Form aber im Namen M. nicht belegt sei, so irrt er, denn

¹) Ein groſser Teil der mit-burg,-heims,-hüs,-statt zusammengesetzten Orte, wie Asci-purc, hasal-p. salz-p. sträzb. sowie die Frauennamen aufburg sind gleichfalls eigentl. Compos., bei denen aber präpos. Verhältnis zwischen Grund- und Bestimmungswort vorliegt(z. B. Wasserburg= die Burg im Wasser).