Aufsatz 
Zur Erklärung des Namens Magdeburg / von Oberlehrer Dr. Elschner
Entstehung
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daran, daſs man nicht das richtige Verhältnis untersucht hatte, in dem die deutschen Benennungen

zu dem fast gleichzeitig auftretenden oder nebenhergehenden slav. stehen. Beide sind mit

Mittenwalde(Mesibor) erklärt worden, und Rademacher(Die urbs Mersburg im 10. Jahrh.

Progr. Merseburg 1898 S. 13) betrachtet diese Deutung von Merseburg(nach Schafarik, Slav.

Altertümer II, 620, der durch seinen einseitig slav. Standpunkt auch sonst viel Verwirrung angerichtet hat)heute wohl als ausgemacht. ¹) Drittens hat man auch den Namen Merseburg

von einer Jungfrau hergeleitet, was schon Thietmar thut, indem er als dritte Erklärung angiebt:

vel a quadam virginesit dicta. Das erinnert wieder an die obige von Torquatus für

Magdeburg aufgestellte Deutung, die besagte: Miedzibo= mied, virgo, bo, deus. Vgl. hier

auch die Stadt Medzibor in Niederschlesien.

Wir halten also nach Zerstreuung dieser Miſsverständnisse und gestützt auf die Autorität Grimms und Förstemanns den Namen Magdeburg für ursprünglich deutsch. Was nun Jüttings Angaben hinsichtlich der grammatischen Form des Namens M. anbetrifft, so ergiebt eine Nachprüfung bei Grimm Folgendes:

1. Dafs man auf Grund seiner allgemeinen Ausführungen über das Wesen der Zu- sammensetzung(Gramm. II Teil, Berlin 1878 S. 383 ff.) wohl berechtigt ist, eine eigentliche, mittels des Bindevokals a hergestellte Composition anzunehmen.

2. Daſs aber Grimm selbst ib. zur ahd. Syntax S. 397 zu schwanken scheint, wenn er vei den eigentl. Zusammensetzungen, die mit stark. Fem. 4ter Dekl. mittels des den Compo- sitionsvokal absorbierenden Ableitungs-i gebildet sind, wie steti-got, prüti-gomo, in Klammern Magada-burg zusetzt und ausdrücklich fragt:uneigentlich? aber hat nicht der Gen. Plur. magadõ?

3. Daſs er bei der Erörterung der substantiv. uneigentl. Composition(S. 591) unter den mit genitivischen Bestimmungswörtern gebildeten Namen von Ländern und örtern wie lanc-partô-lant, reganes-puruc wieder schwankend magado-burc, sächs. magoda-burg, quedlinga- burg aufführt, wobei er es unentschieden läſst, ob da überall schon thatsächlich Composition oder blofs loser Genitiv vorliegt, wie in den ebenda erwähnten frigérô mannòô velt, wilderô wibô hüs(Ortsbenennungen aus den tradit. fuld.)

¹) Die älteste Erwähnung der Stadt Merseburg findet sich im Hersfelder Zehntenverzeichnis, das um 900 entstanden ist, aber auf eine ältere Urkunde aus dem 8. Jahrh. zurückgeht; dort wird eine Merseburg civitas genannt. Thietmar, der seine Chonik 10¹12 schrieb, leitet den Namen in erster Linie von Mars ab: Martis signata est nomine und sagt dann ausdrücklich: posteri autem Mese, id est mediam regionis nuncupant eam. Widukind, der seine sächs. Geschichte 967 schrieb, erwähnt aus Heinrichs I. Zeit suburbanum Mesaburiorum, was auf eine gleichzeitig vorhandene slavisierte Form schlieſsen läſst, gebraucht daneben aber auch Mersburg. Möglich auch, dafs es eine slav. Aufsenstadt gab neben der alten Burg antiqua civitas, über die Radem. a. o. O. S. 5 ff. gründlich handelt, und mit der sicher Merseburg gemeint ist. Das Bistum umfafste zahlreiche Slaven(ib.§. 13). Sollte dafür nicht auch die gleichfalls bei Widukind erwähnte Mesaburiorum legio sprechen? Es ist demnach fast zweifellos, dafs die älteren Formen des Namens das r enthalten, für dessen Entstehen falls sich Mersburg aus Mesabur gebildet hätte auch Rad. keine irgendwie befriedigende Erklärung geben kann. Wir hätten es also mit dem alten in vielen Ortsnamen enthaltenen deutschen Stamme Mars zu thun, dessen Etymologie nach Först. O. N. 1065 noch dunkel ist, ja, wie Thietmars, durch gelehrte Liebhaberei mit veranlafster Deutungsversuch(Mars = Kriegsgott) beweist, wohl schon ums Jahr 1000 nicht mehr erkannt wurde oder lebendig war. Auch Grimm(Gesch. d. deutsch. Spr. S. 619) weist den Namen Merseburg dem deutschen Sprachgut zu. Dagegen hat Hey in der Wiss. Beilage der Leipz. Ztg. v. 12. März 1887 zur Erklärung des Namens Merseburg an den alten sorbischen Personennamen Merzibor erinnert, wo z= s zu sprechen sei. Dann würde Merseburg mit Mersin und Mersinke(Rgsbzk. Köslin), poln. Mierzyno, sowie mit Mierzyn(Galizien) zusammengehören. Das will uns nicht glaubhaft erscheinen.