viel früher bestanden, was sich aus der besonders günstigen Lage an dem durch Inselbildung erleichterten Übergangspunkte schlieſsen läſst.„ Sollte man da nicht annehmen dürfen— und hierin berührt sich die 5. Frage mit der ersten—, daſs der Ort zunächst von einem deutschen Stamme, etwa den Longobarden, gegründet und benannt und dann nach deren Abzuge von den Slaven eingenommen und umgetauft ¹) worden sein könnte, bis Karl der Grolse den alten deutschen Namen wieder zur Geltung brachte? Ein ähnliches Schicksal hat Brandenburg gehabt, das nach Seelmann(Z. Gesch. der d. Volksst. 54) von den Brenden oder Brandingen, einem Stamm der Heruler, benannt und von den Slaven in Brennibor= Grenzwald volks- etymologisch umgedeutet worden ist, bis es, durch Heinrich I. zurückerobert, seinen alten Namen wiedererhielt(Brendanburg 948). Wir meinen, dals sich von diesem Gesichtspunkte aus auch die richtige Stellung zu dem immer wieder auftauchenden und auf unsere Frage störend einwirkenden Mezibozum gewinnen läſst. In dem arabischen Reiseberichte des Ibrahim-ibn-Jaküb, der um 970 in Deutschland war(Wattenbach, Geschichtsquellen I5 316, dazu nach Wattenbach, Übers. des Witukind, II. Aufl. S. 138) kommt höchst wahr- scheinlich dies Mezibozum für Magdeburg vor und zwar als Mazenburg oder Mezenburg. ²) Da heilſst es: Von Mazenburg nach der Burg Faliwi(Kalbe a. S.) 10 Meilen, von da nach Nöôbagrôd 2 Meilen und liegt ebenfalls an dem Fluſs Salawa und in diesen fällt der Fluls Nüda (Buda, Bode). Von der Burg Nöbgrad bis zur Salzsiederei der Juden(Dürrenberg a. 8.), die auch am Flusse Salàwa liegt, 30 Meilen u. s. f. Daſs hier mit Mazenburg 3³) nicht Merseburg gemeint sein kann, liegt nach den Entfernungsangaben auf der Hand. Das einzige, was man zu Gunsten Merseburgs anführen könnte, wäre, dals der Fremde offenbar einige der bedeuten- deren gerade an der Saale liegenden Ortschaften zusammenstellen will, aber er geht von Magd. kommend stromaufwärts, und so muſs man auch Nöbagrõd als Nienburg und nicht Naumburg fassen. Daraus würde zu folgern sein, daſs entweder der alte slavische Name Meziburg(hier schon halb verdeutscht) damals— 170 Jahre nach dem Datum der erstmaligen Erwähnung Magdeburgs-— noch gäng und gäbe war, oder dals die Slaven den deutschen Namen der Stadt sich durch Uebersetzung oder Volksetymologie zurechtgedeutet hatten. Der Verfasser des Reiseberichtes war offenbar slavisch beeinflufst, wie wir an Nôbagrôd= Nienburg sehen, das doch auch schon aus dem 8. Jahrhundert bezeugt ist(Förstemann O. N. 1154 Niwanburg). Es mag hierbei erwähnt werden, daſs die Namen von Merseburg und Magdeburg im Munde der Slaven gleiches Schicksal erlebt haben. Beide sind für ursprünglich slav. gehalten worden, obwohl doch alle Umstände für deutschen Ursprung sprechen. Das lag unseres Erachtens
¹1, Auch eine Übersetzung des Namens ins Slavische wäre denkbar.
2²) Härtel, Z. Namen Mägdesprung, Magd. Geschichtsbl. 1885, S. 197 teilt eine Urkunde aus d. J. 1555 mit, wonach Erzbischof Sigismund Hanseu v. Bockwitz 2 Morgen Grases unter dem Weinberge und einen kleinen Wiesenfleck unterm Mesensprunge bei Calbe schenkt. Also so spät derselbe Stamm noch lebendig, denn es ist hier Mägdesprung gemeint. Sollte der bei Lüntzel, Die ältere Diöcese Hildesheim, 1837, S. 42, 43, 49 erwähnte Mesansten hiermit sprachlich verwandt sein? Vgl. auch den bei Först. O. N. 1090 unter Mesuium erwähnten Ort auf Dberg an der Ohre.
³) Wackernagel, Kl. Schr. III, 107 erwähnt Mazeburc als eine Jungfrau der Frau Erenkranz. Matza (aus d. 10. Jahrh. belegt) und später Metze ist die Koseform von Mahthilt, Mehthilt, Mathilt, wohl noch ohne schlechte Nebenbedeutung, da im 14. Jahrb. noch eine Kaiserstochter(Adolfs von Nassau Tochter Mechtild) Mäcz genannt wird. Maàzebure scheint aber bei Wack. schon ironisch gebraucht zu sein, denn neben ihr wird noch Faul- berga als Jungfrau der Fr. Erenkranz bezeichnet.— Ueber die mit Metz- gebild. Ortsn. s. Arnold, Wand. u. Siedl. S. 205.


