Aufsatz 
Zur Erklärung des Namens Magdeburg / von Oberlehrer Dr. Elschner
Entstehung
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ihnen eine deutsche Färbung gegeben, so dals wir in scheinbar deutschen Namen doch slavisches Sprachgut zu erblicken hätten? Letzteres scheint z. B. der Fall zu sein bei dem Namen Magdeborn bei Leipzig, das Först. O. N. 1095 als von ahd. medu Meth kommend erklärt und das auch Thietmar, der es in seiner Merseburger Chronik aus dem 10. Jahrh. als mede- burun und Medeburu angiebt, so erklärt, wenn er übersetzt: mel prohibe! Anders Hey: A. o. O. S. 128, der es aus slav. médi med, mjedz(Erz, Kupfer) und médibor als Erzkämpfer erklärt, so dass medeburun als mediborov= Gut des Medibor aufzufassen sei. Jenes(aus med= Hoaig) ist allerdings die natürlichere Erklärung. Es wäre aber hier wie da eine auf Volksetymologie zurückzuführende Umänderung und Umdeutung von medeburun oder mediborov über Mädeborn zu Magdeborn anzunehmen. Durch volkstümliche Anpassung gewisser. massen ein Höherschrauben des Wortes an das Wort Magd ist auch der Name Magdala (Ort bei Jena an der Madel) zu erklären, ohne daſs hier natürlich an slav. Einwirkung zu denken ist. Auch giebt es ein Madelungen n. v. Eisenach, ebenfalls an einem Bach Madel. Först. O. N. 1072 stellt den Namen zu Mathal. Es muls eine Zeit gegeben haben, da man die Grundbedeutung der Wurzel mad= pratum oder= mat, das Mähen, das Heu, des alten aus dem 9. Jahrh.(Först. O. N. 1034) bezeugten Madahalaha nicht mehr erkannte oder verkannte, das mad als thür. Aussprache von Magd fafste und demgemäls in höherem Schriftdeutsch Magdala schrieb.

4. Sind nicht slavische(oder auch umgekehrt deutsche) Namen nach Einnahme der Ort- schaften durch das fremde Volk von diesen einfach übersetzt worden? S. Mecklenburg= Wiligrad d. i. Groſse Burg. S. Beltz, Zur ältesten Geschichte Mecklenburgs. Progr. Schwerin, Gymn. 1893 S. 17. Doch tritt Müllenhoff(Deutsche Altertumskunde) für den deutschen Ursprung des Namens ein.

5. Haben wir nicht hin und wieder eine Umnennung ¹) eines Ortsnamens vor uns, die bei Besitzwechsel oder auf ein Machtwort des Herrschers hin erfolgte? Diese Frage ist gleich der ersten für unsere Aufgabe nicht ohne Bedeutung, wenn man bedenkt, daſs im 8. Jahrh. Straſsburg aus Argentaria oder Argentoratum in Stratiburgum, wie die älteste Form lautet, umgetauft worden ist, desgl. im 8. Jahrh.(zuerst 7872 Förstemann O. N. 1234) Ratisbona oder Radaspona(kelt.) in Reganisburch, Regensburg, daſs ferner gleichfalls im 8. Jahrh. der Name Salziburg den kelt. Juvavia, Juvavum verdrängte in allen 3 Fällen aber, wie Förstemann und nach ihm Egli(Nomina Geographica) angeben, wohlaus karolingischer Thatkraft, und wenn man endlich berücksichtigt, dals Magdeburg im Anfang des 9. Jahrh. zuerst mit seinem jetzigen Namen erwähnt wird, und zwar 805 im Chronicon Moissiacense ²) und im Dezember desselben Jahres in einem zu Diedenhofen erlassenen Capitulare*) Karls d. Gr., und ebenso im J. 806, jedesmal aber in Verbindung mit dem Namen Karls oder seiner Heere, so wird man unwillkürlich wieder auf die obigen Germanisationsbestrebungen des genannten Herrschers hingelenkt. Höchst wahrscheinlich hat aber der Ort, wie auch Hülſse betont, schon

¹) Besonders interessant folgendes Beispiel: Wichmannsburg, olim villa slavica a. 965 Vuigmannesburstall, im Lüneburgischen, Lenthes Archiv 6, 87.

²)Das vierte Heer(des Kaisers) schiffte auf einer grofsen Flotte die Elbe aufwärts und kam nach Magedoburg.

³) De negotiatoribus, qui partibus Sclavorum et Avarorum pergunt, quousque cum suis negotiis debeant; id est partibus Saxoniae usque ad Bardaenowic, ubi praevideat Hredi; et ad Schezla, ubi Madalgaudus praevideat; et ad Magadoburg praevideat Aito.