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vielmehr habe der Ort schon früher bestanden und auch so geheiſsen. Insbesondere könne mit der Magd nicht die Jungfrau Maria gemeint sein, da sich wohl viele Zusammensetzungen mit Marien- aber keine mit Magd fänden. Die von Jütting angetührten Namen könnten nicht in Betracht kommen, da die betreffenden Orte, wenigstens die ostpreuſsischen, viel später ge- gründet seien. Wenn sich nun aber in den späteren mit Marien- gebildeten Namen ein Gen. Sing. fände, dann müsse man— falls die Deutung Magd= Maria richtig wäre— pach dieser Analogie auch den Namen Magdeburg als Zusammensetzung mit dem Gen. Sing. auffassen. Zwar habe auch M. eine Marienkirche(d. Kloster U. I. Fr.), diese stamme aber erst aus dem Anfange des 11. Jahrhunderts. Auch Wackernagels Autorität könne ihn nicht bestimmen, der Deutung Magd= Maria beizutreten. Ferner spräche das Wappen Ms. dagegen, denn es würde bei jener Ansicht die Jungfrau in dem Wappen mit einer Strahlenkrone geschmückt sein und das Jesuskind auf den Armen tragen oder neben sich haben. ¹)
Aus diesen Darlegungen läfst sich ein Bild von dem Stande und der Schwierigkeit der Frage gewinnen. Wir haben es sonach mit einer sprachlichen, einer historischen und einer kulturgeschichtlichen Erörterung zu thun. Die sprachliche Seite ist noch durch das Hereinragen der Möglichkeit slavischer Spracheinwirkung auf die Entstehung oder Umbildung eines groſsen Teiles der östlich und teils auch westlich der Elbe gelegenen Ortsnamen erschwert. Mit der a priori von Hülſse a. a. O. geforderten Zurückweisung und Unterlassung aller Erklärungsver suche aus dem Slavischen sind doch— auſser dem selbstverständlichen, dafs viele frühgermanische Wort- stämme den entsprechenden slav. als indogerm. urverwandt zur Seite stehen— folgende Berücksichtigung heischende Momente nicht abgethan:
1. Wäre es nicht leicht denkbar, daſs, da nachweislich die Striche bis zur Weichsel von Germanen bewohnt waren— und zwar bis ins 6. Jahrhundert n. Christo— die von diesen deutschen Stämmen benannten Ortschaften später von den Slaven eingenommen und ihre Namen in slavischem Munde vielleicht bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet wurden, daſs dann aber, als von der Zeit der Karolinger und der sächsischen Kaiser an die germanische Rück- eroberung dieser Gebiete stattfand, die neuen Herren die altheimischen Namen vielfach wieder aufleben lieſsen?
2. Können nicht viele vermeintlich slav. Ortsnamen in jenen Gegenden, deren Rück- umdeutschung unterblieb(wie z. B. Tornow, Mögelin) auf deutschen Ursprung zurückgeführt werden? Diese Frage, die für uns weniger in Betracht kommt, beantwortet Martin May mit einem zuversichtlichen Ja in seiner gerade in der jetzigen Zeit mit der brennenden Ostmarken- frage dankeswerten Schrift:„Sind die fremdartigen Ortnamen in der Provinz Brandenburg und in Ostdeutschland slavisch oder germanisch?“ Frankfurt a. M. 1897. M. führt den Beweis im Hinblick auf die Programmabhandlung Dr. Hammers,(„Ortnamen der Prov. Brandenburg“; Berlin, 9. städt. Realsch. 1894/95 2 Teile), dessen slav. Etymologien er Punkt für Punkt be- kämpft und vielfach mit Glück widerlegt. Xhnlich verfuhr Hey:„Die slav. Siedelungen im Königr. Sachsen“, Dresden, 1893, S. 49, S. 313 ff., der aber viel zu wenig scheinbar fremde(slav.) Namen als deutsch nachweist.
3. Haben nicht hin und wieder auch die Germanen Namen von örtern, die von Slaven gegründet und benannt sind, durch Volksetymologie dem deutschen Sprachgeist angepafst und
¹) In der Festschrift des Ver. f. Geschichte und Altertumskunde des Herzogtums und Erzstifts Magd. Magdeburg 1891 hat H. diese Ansichten wiederholt.


