Aufsatz 
Zur Erklärung des Namens Magdeburg / von Oberlehrer Dr. Elschner
Entstehung
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der Magetheide. Er begründet dies durch den Hinweis, daſs sich von der Lüneburgerheide bis nach Magdeburg und weiter bis zur Lochauerheide kaiserliche Bannforsten gezogen hätten, die wenigstens in ihrem nordwestlichen Teile dieMagetheide hieſsen, alsoDie Heide der Jungfrau; jedenfalls hätte die älteste Form so gelautet, dals sieder Jungfrauen bedeutete. Nun frage es sich aber wiederum, was dann Magetheide bedeute? Darüber lieſse sich wohl schwerlich Gewiſsheit erlangen; sicherlich aber stecke in dem Namen Magetheide eine mythol. Beziehung, die auf ein hohes Alter hinweise. Vielleicht sei an die Walkyren zu denken, denen der Grenzwald geheiligt gewesen sei.

a) Eine Erwiderung hierauf erfolgte ebenda(Montagsblätter, 18. August 1884) von Dr. Jütting aus Burg:Ueber die Wörter Magd und Magde- burg. J. weist da Hülſsesverhängnisvollen Irrtum zurück, M. alsdie Burg der Jungfrauen zu erklären, denn die alte volle Form des Namens, wie auch die neue, sei keine genitivische also uneigentliche Composition, sondern eine eigentliche, die mit dem alten euphonischen Bindevokal a gebildet sei: Magad-a-burc. Diese Form, sowie Magadoburc seien aber als die ältesten, aus dem J. 805 und 806 belegten, allein maſsgebend. Der Gen. Sing. würde altsächs. magadhi und der Gen. Pl. magadjô oder magadeo lauten. Die aus dem 12. Jahrh. belegte ahd. Form Magadiburc und die entsprechende mhd. Megdeburc(die sich bei den Minnesingern fände), in denen man nach Grimm wohl genitivische Zusammensetzungen sehen müsse, könnten als zu jungen Datums nicht in Betracht kommen. Auch sei eine Rück- bildung von Magde aus dem ahd. megde nicht wahrscheinlich, wie wohl sonst bei Fem. (krefte, hende) der Umlaut im Sing. später wieder verschwunden sei. Es stecke also in dem Namen M. weder der Gen. Pl. noch der Gen. Sing., vielmehr liege ein eigentliches Compositum vor, das nichts anderes bedeute als Burg der Magd, d. i. Burg der Jungfrau. Somit habe sich H. den Weg zur richtigen Erklärung des Namens selbst versperrt, wenn er M. alsBurg der Jungfrauen deute. In der Magd habe man die Jungfrau Mariauu erblicken, eine Ansicht, die er sehr ausführlich begründet. Es fänden sich freilich sehr wenige Namen, die mit magd zusammengesetzt seien, nämlich 2 Dörfer Mägdeberg in Ostpreuſsen, 2 in der Schweiz Magden und Magdenau und Magdeburg, ein Haus bei Düsseldorf.

b) Darauf erschien eine Entgegnung von Hülfse: Nochmals der Name Magde- burg.(Ibid. 1884, 15. Septbr.) Darin giebt H. zu, daſs die Erklärung des-Namens als eigentliche Zusammensetzung vermittelst des Bindevokals a der seinigen mit dem Gen. Plur. vielleicht vorzuziehen sei, hält aber doch die Möglichkeit eines unregelmäſsigen alts. Gen. Plur. magadho fest(wie in naht nahto). Das würde auch das Fehlen des Umlautes erklären, der später unter Einfluſs der ursprl. regelm. Form eingetreten sei. So sei die Form Megedeburg ent- standen, die auch der Verfasser der Magdeburger Schöppenchronik als Gen. Plur. verstanden habe. Gerade Jüttings Erklärung scheine nicht notwendig auf eine einzelne Person gehen zu mäüssen, da gerade diese Zusammensetzung sowohl auf einen Singular als auf einen Plural bezogen werden könne. Sonach sei überhaupt nicht zu entscheiden, ob der NameDie Stadt der Jungfrau oderDer Jungfrauen bedeutet. Er(H.) sei nach wie vor dagegen, daſs man den ersten Bestandteil des Namens auf eine bestimmte Person beziehe; wer dies thue, müsse erst recht einen Gen. Sing. in dem Bestimmungsworte verlangen. Er bleibe bei der Ansicht dass M. nach der örtlichen Lage benannt sei(nämlich an der Magetheide). Dann wendet sich H. gegen Jüttings Behauptung, daſs M. von Karl d. Gr. gegründet und benannt worden sei,