5
die damals landläufigen Ansichten über die Entstehung und Bedeutung des Namens zurück. Im besonderen führt er aus, dafs, wenn der Ort überhaupt von einer Magd benannt sei, dies nicht die Jungfrau Maria gewesen sein könne, weil diese zu Ottos Zeit— denn unter oder von diesem sei die Stadt gegründet— noch nicht dementsprechend verehrt worden sei. Sollte dies aber dennoch der Fall gewesen sein, dann habe man sie nicht in dieser Weise(Talibus insignibus d. h. mit dem emporgehobenen Kranze) dargestellt. Kap. 17 heiſst es: dicis at vero Hildensis civitas eadem ferme usurpat insignia, virginem scilicet cum serto virginali: recte mones: eadem ferme, non autem plane eadem.... Beide Wappen... conveniunt sane in eo quod utraque virginem prae se ferunt cum serto virgineo, differunt aßtem, quod nostra virgo gestat corollam dextra manu in liberum aerem protensa, ista vero sertum utraque manò apprehendit et inferiori pectoris parti admovet: nostra inter duas turres constitit, ista non aeque. Es folgen noch umständliche, aber wertlose Ausführungen über das Wappen.
3. Noch weniger Anspruch auf ernsthafte Beachtung können die Darlegungen des Georgus Torquatus in seiner Schrift: De Etymologia urbis Magdeburgensis machen.(Enthalten in seinen Annales cont. Lips. et Quedl. 1701; abgedruckt in den Monum. ined. rerum Germanicarum, praecipue Magd. et Halberst. ed. Boysen I, 3, 141). Tor. überrascht uns mit 6 Erklärungen— relicturus lectori judicium quam probabiliorem esse censeat. Bei 3 Erklärungen geht er aufs Hebräische zurück und legt bei der 3ten sogar die älteste Form des Namens Magadaburg zu Grunde. Nach der 4ten Ableitung komme Meide oder Mei vom griech. dmois= virgo ancillaris. Fünftens meint er, M. stamme vom slav. Miedzibo(mied= virgo, bo oder boeck= deus). Sechstens giebt er an, das Ptolemäische Mesuvium sei nur eine erweichte, gräcisierte Form von Megdwick ¹).
Erst in neuerer Zeit bekam man durch die Ergebnisse der Sprachwissenschaft sicheren Boden unter den Fülsen. Grimm und Wackernagel stellten fest, daſs der Name M. be- stimmt deutsch ist. Letzterer erklärte M. als Burg der Magd und sah wie Grimm in dieser die Jungfrau Maria. Förstemann schloss sich ihnen in sprachlicher Hinsicht an, meinte aber(O. N. 1042):„Wer die Jungfrau ist, nach der die Stadt den Namen hat, scheint noch nicht ergründet zu sein“.
Genauere Untersuchungen über unsern Gegenstand finden sich in den folgenden 3 Aufsätzen:
1. Oberlehrer Hülfse: Über den Namen, Ursprung und ältesten Umfang der Stadt M. in den„Blättern*) für Handel, Gewerbe und soziales Leben“. Beiblatt der Magd.-Zeitung, 12. Mai 1884. H. faſst den Namen M. auf Grund der ältesten Formen Magathaburg, Magada- burg als Burg der Mägde, d. i. der Jungfrauen, da magatha der Gen. Pl. vom altsächs. magath sei. Die Meinung der alten Chronisten, die erklären: M.= Burg der Jungfrau, sei irrig, und daher wären auch alle aus dieser falschen Prämisse gefolgerten Erklärungen des Grundes der Benennung hinfällig. Indem H. sodann der Frage nach dem Grunde der Benennung näher tritt und die früheren Versuche, in der Magd eine der Göttinnen Ostara oder Freya zu sehen, nochmals zurückweist, giebt er eine eigene Erklärung, die in der Angabe gipfelt, daſs der Ort den Namen von seiner örtlichen Lage erhalten habe, nämlich von der Lage in oder an
¹) Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dafs in einem 1883 zu Magd. gehaltenen Vortrage(s. Bericht d. Magd. Zeitung 1883. No. 107) über die Stadterweiterungen Magdeburgs eine Erklärung aus dem Slavischen nach einem Chronisten Leonsen gegeben wird. Danach hiefse Magdeburg s. v. w. Mittenwalde.
2) Meistens kurz Montagsblätter genannt.


