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Oder: Ist denn Magdeburg die Übersetzung davon? Oder: Welches Schicksal erlitten denn sonst die fremden Namen im Munde der Deutschen?(s. Augsburg, Trier, Köln) kam jenen nicht in den Sinn.
Nach Bothos Cronecken der Sassen hätte Cäsar die von ihm erbaute Stadt der Venus und ihren Charitinnen geweiht, und von dieser un d ihren Mägden habe die Stadt den Namen empfangen. In dieser Gestalt hat sich die Sage, deren genauere Ausführung interessante Einzelheiten bietet, bis zu den Chronisten des 18. Jahrhunderts erhalten, die freilich schon ihre Fragezeichen zu setzen begannen. Eine andere Überlieferung(Härtel u. Hülſse, Geschichte der Stadt Magdeburg S. 2 ¹) nennen sie auch Angabe) besagt, daſs M. um die Mitte des 6. Jahrhunderts zum Schutze gegen die Slaven gegründet und nach der Göttin Eastre oder Ostara benaunt worden sei, die man in dieser Gegend verehrt habe.
Im Gegensatz zu diesen Sagen und sagenhaften Berichten haben wir es in folgenden Schriften mit weiter ausholenden und teilweise ausführlich begründeten Erklärungs- versuchen zu thun.
1. M. Joh. Bloci Conlecta conjectanea seu conjecta conlectanea ad Etymon Magdeburg. Typis Boelianis Anno MDCXXI. In dieser Schrift, die sich zugleich als ein Gemisch von nebelhaften Vorstellungen und unhaltbaren Vermutungen sowie von genauen geschichtlichen Zeugnissen erweist, stellt der gelehrte Verfasser alle vermeintlichen wie echten lateinischen, deutschen und griechischen Benennungen von M. bei lateinisch schreibenden mittelalterlichen und zeitgenössischen Chronisten und Dichtern zusammen und vergleicht damit ähnliche Namen- bildungen bei Griechen und Römern. Es seien in Anbetracht der groſsen Seltenheit dieser kläglich gedruckten und noch ärger interpungierten Schrift einige für unsere Untersuchung wichtige Gedanken daraus hier angeführt. Block(Gymnasialrektor in Magdeburg vor der Zer- störung) erblickt zunächst in dem bei Ptolemaeus(Lib. II. Geogr.) erwähnten Mesuvium— es wird als eine der von Drusus in Deutschland errichteten Trophäen genannt— das jetzige Magdeburg ²). Dies Mesuvium sei später von den Wenden Metzibosum, Metzibozum genannt worden. Magdeburg sei aber der älteste Name der Stadt, wie das Zeugnis des Adelar. Erich. Jülich. Chronic lib. 3 beweise:„Carolus Magnus hat die Stadt Mezibozum an der Elbe den Slaven wieder genommen und dieselbe wieder nach ihrem alten Namen Magdeburg zu nennen verordnet und den Sachsen ein eigen Landrecht gegeben.“ Bezüglich der Entstehung des Ortes und Namens Mesuvium könne man sich auf die Vermutung autoris primaevi berufen, wonach„Tuistona vel Ascanem originarium castrum fundasse et illud haut dubie Mesuvium a Mesa cuius mentis fit Genes. 1030 vel simili nuncupatum esse. Andere hätten Magdeburg von Megidda oder Magdala abgeleitet. Er erwähnt sodann die Fabel von dem Erscheinen Cäsars, der er selber keinen Glauben schenkt; aber daſs Drusus Nero aut filius Germanicus die Venus- statue in der Stadt M. errichtet habe, ist ihm wahrscheinlich nach Luc. Annae Flor. lib. 1 cap. antepaen:„qui praedictum Drusum Neronem in tutelam provinciarum praesidia et custodias ubique disposuisse per Albim, per Visurgim attestatur“. Es folgt ein längerer Exkurs über das Vorkommen des Wortes parthenos samt seinen Derivativen und die Träger dieser als: Götter, Menschen und érter. Daraus ist von Wert die Stelle:„oppidum ejusdem nominis habuerunt in Latio, quod ab Augusto Caesare Neapolim esse vocatum“, wobei auf Ovid, Metam. 14 und Vergil,
¹) Auf welche geschichtliche Zeugnisse sich diese Angabe gründet, wird uns leider dort nicht mitgeteilt. ²) Diese Annahme gilt jetzt als widerlegt. Man sucht Mesuvium eher an der Weser.


