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Worte mit einer Gebärde, mit der Betonung, durch einen kurzen verbindenden oder erläuternden Zwischensatz, das Verständnis erzeugen kann. Je knapper und zielbewuſster die Erklärung ist, um so sicherer ist ein tiefer Eindruck zu erwarten. Im einzelnen hängt natürlich die Art der Besprechung von der zufälligen Stimmung des Lehrers und der Knaben, wie von dem Zustande der Klasse ab.
XXI. V. 1— 66. Warum weint Penelope so herzbrechend?—(Wir fassen die halben Ant- worten der Knaben gleich zusammen.) Die Not ihres Sohnes, die fortgesetzte Verschleuderung des Habes, über dem auch sie zu wachen hat, verlangen von ihr ein Opfer, das gröfste, was sie bringen kann: sie muſs sich für das Wohl ihres Sohnes hingeben. Es wird ihr schwer, weil sie in fester Treue und unwandelbarer Liebe an ihrem tot geglaubten Gatten hängt und weiſs, daſs sie ihn nie vergessen wird. Die Freier schätzt sie nicht, keiner reicht ja an Odysseus heran; sie weiſs auch, dafs ihnen am Prassen mehr liegt, als an ihrer Person. Aber was thut eine Mutter nicht alles aus Liebe zu ihrem Sohn! So ist sie in der jetzigen Lage auch nicht fassungslos; sie besitzt einen festen Willen und weils sich zu beherrschen. Ihr Auftreten vor den Freiern ist voll königlicher Würde. ¹)
V. 67— 139. Welchen Eindruck macht ihre Aufforderung auf die Hirten, auf die Freier, auf Telemachos?— Die Hirten verstehen das Opfer, das die Königin bringt, und haben Mitgefühl mit ihrem Schmerz; sie brechen in Thränen aus. Antinoos, der Wortführer der Freier, ist eitel Falschheit, er heuchelt Mitleid und Zartgefühl, das seine Seele nicht kennt, alles, um sich der Königin angenehm zu machen, die er schon als sein eigen ansieht.—(Das Benehmen des Telemachos verlangt eine eingehendere Betrachtung.) Warum gebärdet er sich wie närrisch? Er lacht, als ob er auſser sich wäre vor Freude über den Beschluſs der Mutter, das Haus zu verlassen, und will den Bogen spannen, um die Mutter bei sich festzuhalten. Wie reimt sich dies widerspruchs- volle Benehmen zusammen?—(Die Erklärung knüpft an die eigenen Erlebnisse der Knaben an; sie haben sich vielleicht mit ihrem Vater zusammen einmal in einer unangenehmen Lage befunden, der sie allein ohne den Vater nicht gewachsen gewesen wären.) Waret ihr damals in Angst?— Warum kann Telemachos über den Entschluſs der Mutter nicht betrübt sein?— Sein Vater ist ja da, sein groſser, gefeierter Vater, der Held, von dessen Mut und Klugheit die Lieder singen und sagen; da sollte sich nicht alles zum Guten wenden?— Warum lacht er aber?— Aus jugendlichem Übermut; er merkt, daſs der Bogenwettkampf die Entscheidung beschleunigt, nach der seine ganze Seele lechzt. Um so jäher bricht jetzt sein Gefühl hervor, je länger er es unter unnatürlichem Druck hat zurückhalten müssen.— Warum will er selbst den Bogen spannen?— Er will dem Vater zeigen, daſs er seiner würdig ist.
V. 140— 187. Wer trifft die Anordnungen für den Wettkampf? wer giebt die Reihenfolge an und verfügt über den Bogen?— Antinoos.— Ist das natürlich?— Nein, von rechts wegen wäre es Sache des Telemachos gewesen.— Warum thut es Telemachos nicht?— Er ist schon lange gewohnt, hinter den Freiern zurückzutreten, und nur in allerernstesten Fällen setzt er seinen Willen dem ihren entgegen.— Wer übt also Herrenrechte im Hause des Odysseus aus?— Ein Eindringling, Antinoos, und die Freier überhaupt.— Worin hat es sich bereits ausgesprochen, daſs sich Antinoos als Herr im Hause fühlt? ²)— Er hat den Hirten in roher Weise ihren Schmerz verwiesen, dem bettelnden Odysseus gedroht, ihn aus dem Hause zu werfen, den Telemachos
¹) Auf die Khnlichkeit der beiden Gatten hinzuweisen, und wie sie einander würdig sind, dazu ist hier nicht der rechte Platz.
2²) Die Besprechung mufs sich auf eine einzelne Person als Typus beschränken, um eine lebhafte Empfindung zu erzielen.


