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Ein wirklich schöner und lohnender Erfolg hängt dann, nächst der Methode des Unterrichts, noch von der Wahl der Ubersetzung ab. Nach den Programmen haben sich auſser Hubatsch andere Ubersetzer als Voſs nur selten Eingang verschafft. Bahnsch hat Recht behalten, der in der „Zukunft des griech. Sprachunterr.“, 1891, p. 15 schreibt:„Homer hat bis auf den heutigen Tag immer aufs neue die Kunst feinfühliger Dichter und Gelehrten geübt; ich erinnere nur an Jordans und Ehren- thals Übertragungen. Doch wird das volkstümlich gewordene Werk von Voſs, wie ich glaube, durch diese im einzelnen vollkommneren Leistungen nicht von seinem Ehbrenplatz verdrängt werden.“ Aber die meisten Schulausgaben, die sich nach Vofs nennen, sind stark überarbeitet; die Härten, die uns an seiner Ubersetzung abstoſsen und sie oft geradezu ungenieſsbar machen: die auffallenden und gesuchten Ausdrücke, die gräcisierenden Verbindungen, die geschraubte Wortstellung, der oft un- deutsche Satzbau,— sind nach Möglichkeit beseitigt; der Text ist dadurch lesbarer, oft durchaus glatt geworden. Aber sollte nicht an Stelle solcher unechten Ausgaben eine der originellen neuen Ver- deutschungen besser den Zwecken der Schule dienen, wenn es nun einmal ausgemacht ist, dals es nicht angeht, den historisch bedeutungsvollen alten, echten Voſs den Knaben dieses Alters und dieser Entwicklung vorzulegen?
II. Das Ziel der Homerlektüre und die Mittel, es zu erreichen.
2s ist ein oft angeführter Ausspruch Goethes, daſs ein volles Menschenleben dazu gehöre, Homer recht zu verstehen. Wenn der Gegenstand solche Schwierigkeiten bietet, was kann die Schule erreichen, die nur über einen kleinen Abschnitt des Lebens verfügt, der noch dazu nicht der vorteilhafteste dafür ist? Wir würden verzweifeln, wenn wir uns nicht sagen mülsten, dafs ein Ver- ständnis, wie es Goethe vorschwebt, eine so seltene und hohe Sache ist, daſs gewöhnliche Sterbliche darauf keinen Anspruch machen können. Es kommt nur darauf an, den Grad des Ver- ständnisses klar zu erfassen, den wir auf der bestimmten Klassenstufe für erreichbar halten, um ihn dann mit vollem Zielbewuſstsein zu verwirklichen. In diesen didaktischen Richtlinien können wir uns an Rudolf Lehmann anschlieſsen, der sich in seinem Buche über„den deutschen Unterricht“ 2. A., Weidmann 1897, ein nicht geringes Verdienst damit erworben hat, daſs er die drei Grade des Verständnisses von Kunstwerken— das anschauliche, das historische und das kritische, wie er sie nennt— nicht nur festgelegt, sondern auch planvoll durchgeführt hat.
Unter Platons Namen ist ein Dialog Jon erhalten. Hier wird uns das Bild eines Homer- rhapsoden späterer Zeit anschaulich gezeichnet. An den grolsen Festtagen der Götter trat er auf, in kostbare Gewänder gekleidet. Mehr denn 20 000 Personen bildeten an den Panathenäen sein Publikum. Für seine Leistungen nahm er Bezahlung. Sein Vortrag war höchst dramatisch; bei den rührenden Scenen schien er in Thränen zu zerschmelzen, bei den erschütternden schienen sich ihm die Haare zu sträuben. Und wie an einer Kette magnetischer Ringe— so schreibt der Ver- fasser— die einzelnen Glieder aneinander hängen, so durchdrang dieselbe Empfindung, die der Dichter gewollt und der Rhapsode ausgedrückt hatte, den weiten Zuhörerkreis. Die Dichtung gewann Leben in ihnen, die Gestalten der Epen erschienen ihnen leibhaftig. Mitleid erfüllte ihr Herz mit dem Dulderhelden, erschüttert wurden sie, als Odysseus die mordenden Pfeile vor sich ausschüttete und sich zu erkennen gab, atemlos folgten sie dem Vortrage, als der Pelide Hektor verfolgte-


