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haben, auf andern Gebieten der Bildung eine gewisse Stufe einzunehmen.¹) Man wird mir vielleicht, entgegenhalten, dass dieses Beispiel nicht hierher gehöre, da es sich im vorliegenden Falle gar nicht, um intellektuelle, überhaupt nicht um innere Bildung handle, sondern um äusserliche, eine körperliche Fertigkeit. So lange die Fachbildung eine rein äusserliche ist, wird sie allerdings hier nicht in Frage kommen, aber die Grenze ist sehr schwer mit Sicherheit festzustellen: sowie zu der äusserlichen Fertigkeit eine— wenn anch geringste— Thätigkeit des Verstandes hinzutritt, geht die äusserliche Bildung in innerliche, intellektuelle über und wird dann auch Gegenstand der Untersuchung bei der Erörterung der intellektuellen Bildung sein können.
Der gewandte Handlungsgehilfe ist noch kein gebildeter Kaufmann, sowenig wie der geschulte Offizier ein gebildeter Soldat. Erst wenn die erworbenen Kenntnisse Beide befähigen, auf ihrem Gebiete objektiv urteilen zu können, um vorkommenden Falles auf Grund der erworbenen Kenntnisse und des daraus resultierenden objektiven Urteils selbstständig richtig handeln zu können, werden Beide in ihrem Gebiete eine Stutfe intellektueller Bildung erstiegen haben und als Gebildete ²) bezeichnet werden können. Was für den einzelneu Beruf als nötig erachtet wird, diese Bildung zu gewähren, darauf kommt es bei der Erörterung des Begriffes Bildung gar nicht an. ³)
Diese wenigen Beispiele mögen genügen, sie liessen sich leicht durch eine grosse Zahl anderer vervollständigen: sie werden indessen erkennen lassen, dass zur Bildung Kenntnisse nötig sind aber welcher Art und in welchem Masse diese Kenntnisse erfordert werden, das ist zwar für die Beurteilung der Stufe der Bildung von grosser Wichtigkeit, aber untergeordnet gegenüber dem Be- griffe der Bildung selbst: der Fähigkeit die erworbenen Kenntnisse verwerten zu können zu objektiver Beurteilung und zu subjektivem Schaffen vorläufig im eigenen Bildungsgebiet, die Möglichkeit des Zurechtfindens auf anderen Gebieten wird sich leicht ergeben. ¹)
Schon oben wurde der Begriff der„allgemeinen Bildung“ erwähnt und derjenige der„höheren Bildung“. Auf Beide soll hier noch einmal etwas näher eingegangen werden, obwohl sie erst er- schöpfend behandelt werden können, wenn wir von der Bildung überhaupt— nicht mehr mit der Einschränkung autf Ein Gebiet, wie hier, auf das der intellektuellen Bildung— sprechen.
Dey erstere Ausdruck ³) besonders hat zu vielen falschen Auffassungen Veranlassung gegeben. Er hat vor allen Dingen dadurch einen gehässigen Beigeschmack bekommen, dass er— ganz fälsch-
¹) Und so auch in gewissem Sinne den Anspruch erwerben auf„allgemeine Bildung.“
2) Schmidt, Encyklopädie p. 659:„Gebildet ist derjenige Kaufmann, welcher über den gewerbsmässigen Betrieb des Handels hinaus seinem Berufe das wissenschaftliche Interesse anknüpft; gebildeter Landwirt ist der nicht bloss ein- geübte und eingeschulte, sondern ebenfalls der in dem Wissen um das in sein Fach Einschlagende daheim ist.“
¹) Schmid, Encyklopädie p. 686:„Sowohl die durch das Leben, nicht durch Gelehrsamkeit auf die Höhe der
Bildung emporgetragenen Geschäftsmänner, als auch die noch nicht ganz ausgestorbenen Stuben- und Büchergelehrten, denen es an Bildung fehlt, mögen dies beweisen.“
4) Deutsche Zeit- und Streit-Fragen. Neue Folge. Heft 67.— Hartmann, Der deutsche Unterricht und die Schulreform, p. 4:„Es ist eine Thatsache, dass jede in einem beliebigen Fach erworbene Tüchtigkeit ihren bildenden Einfluss auch auf alle anderen Gebiere ausübt. Wer selbst etwas kann, schätzt auch das Können der Andern; er wird bescheiden, sein Urteil massvoll und besonnen.“— Bauernfeind, Ueber den Einfluss der exakten Wissenschaften auf die allgemeine Bildung:„Selbst die ausgebreitetste Kenntnis des klassischen Altertums und der modernen schönen Literatur allein gewährt keine ausreichende allgemeine Bildung mehr, wenn man unter dieser die Fähigkeit versteht in fremde Gebiete mit klarem Blicke zu schauen und deren Beziehungen zu dem eigenen Berufe zu erfassen.“
5) Kuntzemüller, Die Reform unseres höheren Schulwesens, p. 9:„Denn dass der Inhalt dieses Begriffes in dem einzigen Merkmale des Besitzes einer gewissen Summe positiver Kenntnisse sich erschöpfe, wie manche glauben, ist doch wohl nicht richtig.“ Die weiteren Ausführungen können hier noch nicht ihre Stelle finden, da Kuntzemüller auch die Gebiete der kordialen und gesellschaftlichen Bildung mit in Betracht zieht.— Vergl. das Zitat von Bauernfeind.


