17
Heute, wo neue Schulen wie Pilze aus der Erde schössen, übersehe man das leicht. Die Gründung des Gymnasiums durch Philipp Ludwig II. reihe sich würdig an die Gründung der Neustadt Hanau- Dann wandte sich der Redner kurz an die Jugend und forderte sie auf, im Sinne des Stifters sich der treuen Pflichterfüllung und Pünktlichkeit zu befleißigen. Die Jugend in einer Zeit, wo alles gäre, zum Gehorsam zu erziehen, sei eine hervorragende Aufgabe der Schule. Wer nicht gehorchen gelernt habe, dürfe auch nicht befehlen. Jedem Jünglinge solle mit Flammenschrift in das Her⸗ geschrieben sein:„Das Leben ist der Güter höchstes nicht, viel höher steht erfüllte Pflicht.“ Bei diesem Gedanken trage sich auch manches leichter, was der Jugend unbequem und überflüssig erscheine.
Zum Schluß teilte der Redner mit, daß er nicht mit leeren Händen komme, sondern dabß die städtischen Körperschaften als Erinnerung an den heutigen Tag dem Gymnasium einen neuen Flügel schenkten. Bei der Wahl der Gabe sei auch die Rücksicht auf den verdienstvollen Pfleger des Gesangs am Gymnasium, Prof. Henkel, mitbestimmend gewesen. Möge das Gymnasium immer blühen und gedeihen.
Der kostbare Flügel, dessen Auswahl dem Gesanglehrer der Anstalt selbst überlassen wurde, ward wenige Wochen nach dem Feste dem Gymnasium überbracht. Er trägt in seinem Inneren auf einem silbernen Schilde in geschmackvoller Ausführung das Wappen der Stadt Hanau und darunter folgende Widmung:
1607 1907 Dem Königl. Gymnasium Zu Hanau zur Erinnerung an das 300jährige Bestehen der Anstalt gewidmet von der Stadt Hanau.
Herr Professor Knoop brachte die Wünsche der hiesigen Oberrealschule und ihres zur Zeit peurlaubten Direktors dar mit dem Anfügen, daß er dies um so lieber tue, da er vor langen Jahren selbst dem Lehrerkollegium der Anstalt angehört habe.
Herr Direktor Walter(von der Musterschule in Frankfurt a. M.) übermittelte die Glück- wünsche der Direktoren und Lehrerkollegien des Regierungsbezirks Wiesbaden, insbesondere die der Frankfurter Anstalten, die durch mannigfache Beziehungen, zumal den Austausch von Lehrern, seit langen Jahren eng mit Hanau verbunden seien, ein Verhältnis dem auch oft durch gesellige Zusammenkünfte in Wilhelmsbad Ausdruck verliehen worden sei.
Herr Direktor Dr. Vomberg(vom Kgl. Gymnasium zu Dillenburg) wies auf das enge
geistige Band hin, das zwischen dem Hanauer und dem Dillenburger Gymnasium bestehe, da
peide Kinder der Reformation und fast gleichzeitig gegründet seien. Zugleich überreichte er namens des Dillenburger Lehrerkollegiums eine tabula gratulatoria. Diesen Wünschen fügte er als lang- jähriges Mitglied des hiesigen Lehrerkollegiums seine eigenen zu.
Herr Gymnasialdirektor Geh. Reg.-Rat Dr. Heußner(vom Kgl. Friedrichs-Gymnasium zu Cassel) überbrachte die Wünsche der Direktoren und Lehrerkollegien des Regierungsbezirks Cassel. Auch er fügte seine persönlichen Wünsche hinzu. Er habe als Schüler der Anstalt angehört, sei später hier in sein Lehramt eingeführt worden und habe an ihr noch später 2 ½ Jahre als Oberlehrer gewirkt, und die liebsten Erinnerungen verknüpften ihn mit unserer Anstalt.


