Aufsatz 
Zur Geschichte des Hanauer Gymnasiums : Mitteilungen über die Matricula Illustris Paedagogii Hanoviensis von 1648 - 1748 / von Philipp Braun
Entstehung
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Herr Generalsuperintendent D. Pfeiffer erwähnte zunächst, daß er dem Hanauer Gymnasium seine Ausbildung verdanke, und gedachte mit warmen Worten seiner früheren Lehrer, insbesondere der Männer Piderit, Fürstenau und Fliedner. Er hob weiter die engen Beziehungen des Gymnasiums zu der evangelischen Kirchengemeinschaft hervor, die er heute vertrete, aus der heraus das Hanauer Gymnasium erwachsen sei, mit der es immer in nächster Beziehung gestanden und der es jederzeit Förderung verdankt habe. So habe die evangelische Hanauer Kirche Jahrhunderte lang dem Hanauer Gymnasium seine besten Lehrkräfte gestellt. Er wisse, daß das Gymnasium diese Beziehungen, wenn das alte enge amtliche Band auch gelöst sei, doch immer noch hochhalte. Er wünsche und seinem Wunsche schließe sich auch die katholische Geistlichkeit an dab sich das Gymnasium allzeit erweise als eine Pflegestätte wahrer Frömmigkeit, klassischer Bildung und deutschnationaler Gesinnung.

IHIerr Pfarrer Neßler überbrachte die Glückwünsche der französischen und niederländischen Gemeinde und gedachte dessen, daß vor 10 Jahren der Direktor bei der Jubelfeier der Neustädter Gemeinde die Glückwünsche der Anstalt mit einer Gratulationstafel in lateinischen Worten über- bracht habe. Wolle man nun der Vergangenheit gedenken, dann müßten die Glieder der Ge- meinde in fremden Zungen, holländisch oder französisch reden. Aber sie hätten gelernt deutsch zu reden, deutsch zu denken, deutsch zu fühlen und deutsch zu handeln, und auf diesem Boden reichten sich die Anstalten die Hände.

Als äußeres Zeichen der Erinnerung überreichte Herr Pfarrer Neßler seitens der beiden Gemeinden eine von Künstlerhand hervorragend schön ausgeführte Tafel mit folgender Darstellung:

In einem massiven rundbogigen Toreingang erblicken wir oben das Erzbild des Stifters

vor den Chronogrammen*): sIt MVSIS saCrata seDes

aCaDeMla eXIstat noblLIs. Rechts vom Bilde des Stifters sieht man das Gebäude der Neustädter Kirche, links das der Hohen Landesschule. Darunter stehen in einer von Säulen flankierten Rundnische zwei edle Frauen- gestalten, deren Abzeichen sie alsWissenschaft undReligion kennzeichnen. Auch die Architrave über den Säulen tragen die InschriftenScientia undReligio und erläutern das Wesen der Frauengestalten. Der untere Teil des Bildes trägt unter dem Hanauer Wappen, rechts und links von den Emblemen der beiden Neustädter Gemeinden flankiert, folgende Inschrift: Dem Königlichen Gymnasium zu Hanau

entbieten zur Feier seines 300 jührigen Bestehens die Niederländische und die Wallonische

Gemeinde ihre herzlichsten Glückwünsche. Möge das Kgl. Gymnasium im Geiste seines

großen Stifters, der die Wissenschaften und den Glauben in gleicher Weise pflegte und

beschützte, weiterhin wachsen, plühen und gedeihen zum Ruhm unserer lieben Stadt

Hanau und zum Wohle des Vaterlands.

Hanau am 27. September 1907.

Für die Wallonische Gemeinde: Für die Niederländische Gemeinde: C. Neßler, Pfarrer A. Weßel, Pfarrer Jean Wilhem Körner

Caesar Böhm IHI. David. August Michel. Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus übermittelte die Glückwünsche der Stadt HHanau: Ob nun die Anstalt 1607 oder 1665 gegründet sei, jedenfalls zühle sie hohe Semester und stehe doch frisch und jung da. Die Gründung der Schule sei seiner Zeit eine große Tat gewesen.

*) Die Originale befinden sich auf den Kartuschen der beiden Säulen am, Portale des Gymnasiums.